
hna.de · Feb 20, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260220T114500Z
StartseiteLokalesKreis KasselStand: 20.02.2026, 12:04 UhrKommentareLohfeldener im „Rüssel“: AfD-Spitzenkandidat Alexander Stock wollte die HNA aus Sicherheitsgründen nicht zu sich nach Hause einladen, sondern sich lieber an einem neutralen Ort treffen, auf einen Kaffee im Restaurant „Zum Rüssel“ auf dem Autohof seiner Heimatgemeinde. © Sebastian SchaffnerAlexander Stock führt die AfD-Liste für den Kreistag an. Der 46-Jährige räumt ein, kaum kommunalpolitische Erfahrung zu haben.In knapp einem Monat, am 15. März, werden nicht nur die Gemeindevertretungen und Stadtverordnetenversammlungen neu gewählt, sondern auch der Kreistag. Die HNA stellt die Spitzenkandidaten der neun Parteien vor, die auf dem Wahlzettel stehen. Heute: Alexander Stock aus Lohfelden, der ganz oben auf der Liste der AfD steht. Sieben Fragen, sieben AntwortenWas kostet mehr Nerven: Kommunalpolitik oder Ihr Hauptjob? Mein Hauptjob. Was war Ihr letzter Google-Suchbegriff? Charlie Kirk. Netflix gucken oder Buch lesen? Buch lesen. Was bringt Sie zuverlässig zum Lachen? Die TV-Serie South Park. Wenn Ihr Leben ein Song wäre – was wär der Titel? Freiheit. Welches Talent hätten Sie gern? Ich würde gerne physikalische Phänomene mathematisch erklären können. Klare Kante oder durchgehend diplomatisch? Ich entscheide mich für einen gesunden Mittelweg. Lohfelden/Kreis Kassel – Unterhält man sich mit Alexander Stock über die großen politischen Themen, hat er ziemlich schnell eine starke Meinung. Klimapolitik, Migration? Alles viel zu teuer. Das Geld sollte „lieber in die Kommunen investiert werden“. Donald Trump? „Eine interessante, polarisierende Persönlichkeit, die den USA wirtschaftlich guttut.“ Ukrainekrieg? Ist ein großes Verbrechen, sagt Stock. Er würde sich aber wünschen, dass auch andere Kriege medial so verurteilt würden. Und natürlich Corona: „Die Maßnahmen waren der größte Eingriff in die Freiheitsrechte, seit ich lebe“, sagt der 46-Jährige aus Lohfelden, der „eine komplette Aufklärung“ und „Corona-Ausschüsse im ganzen Land“ fordert. Fragt man den AfD-Spitzenkandidaten für die Kreistagswahl aber nach seinen kommunalpolitischen Schwerpunkten, wird es inhaltlich schnell dünn. „Ich habe bislang nur wenig Erfahrung“, räumt der 46-Jährige dann auch unumwunden ein. Immerhin: Beide Kreisklinikstandorte will er erhalten, alle Schulen auch. Was ihn besonders umtreibt, sind die „Brennpunkte öffentlicher Sicherheit“. Konkrete Beispiele im Kreisgebiet kann er zwar auf Nachfrage nicht nennen, argumentiert aber mit bundesweiten Statistiken, wonach bei Straftaten „kulturfremde Menschen“ im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung überrepräsentiert seien. „Das dürfte auch im Landkreis Kassel so sein.“ Und wenn nicht? Er werde die nächste Kriminalitätsstatistik des Polizeipräsidiums Nordhessen genau studieren, sagt er. „Wenn dort etwas anderes steht, würde ich meine Meinung auch ändern. Neue Datenlagen erkenne ich an.“ Früher, erzählt er, habe er FDP gewählt. „Aber das ist eine Umfallerpartei geworden“, sagt er und kommt wieder auf die Coronapolitik und auf Thomas Kemmerich zu sprechen. Der FDP-Politiker war mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten in Thüringen gewählt worden, kündigte aber nach massiver Kritik tags drauf seinen Rücktritt an. „Er wurde von der FDP einfach fallen gelassen.“ Aufmerksam auf die AfD sei er bereits 2013 geworden, sagt Stock. Das Bestreben, die D-Mark wieder einzuführen, die Kritik an der EU und später am Merkelschen „Wir schaffen das“ – diese Gegenpositionen zum politischen Establishment hätten ihm gefallen. Als er 2021, mitten in der Coronakrise, seine Zeitarbeitsfirma dichtgemacht hatte, trat er schließlich der Partei bei, ist seit vier Jahren Mitgliedsbetreuer. Eine Antifa-Gruppierung hatte im Internet Namen von AfD-Sympathisanten unter dem Titel „Vorsicht Faschisten“ veröffentlicht, unter anderem seinen. „Rückblickend war das eine Befreiung. Ab da gab’s kein Zurück mehr.“ Bezeichnet er sich denn als Faschist? „Nein, ich bin kein Faschist, ich bin ein Liberaler“, sagt Stock, der heute als Integrationsbeauftragter im Jobcenter sein Geld verdient. Ohnehin sei es eine Sauerei, dass seine Parteifreunde und er „mit Nazis und Massenmördern von vor 80 Jahren verglichen“ würden. Dass der Verfassungsschutz seine Partei hierzulande als rechtsextremistischen Verdachtsfall einstuft, ficht ihn nicht an. Der Inlandsgeheimdienst sei nicht neutral, sagt er. Vieles, was man etwa Björn Höcke vorwerfe, sei aus dem Zusammenhang gerissen: „Mir fällt kein Satz von Herrn Höcke ein, der grundgesetzlich nicht in Ordnung wäre.“ Strafrechtlich ist die Bewertung eindeutig: Der Bundesgerichtshof hat jüngst zwei Geldstrafen-Urteile gegen den einflussreichen Fraktionschef im thüringischen Landtag bestätigt. Höcke hatte mehrmals eine verbotene SA-Losung genutzt. Stock glaubt: „Er ist ein besonnener Mann, der politisch ausgeschlachtet wird.“Den Kreistag selbst kennt der Polit-Neuling bislang nur als Gast. Ein Erfolg wäre die Wahl am 15. März für seine Partei, wenn sie 14 Sitze abräumen könnte. „Das ist realistisch und unser Ziel“, sagt der Astronomie-Fan. Derzeit hat die AfD vier von 81 Plätzen im Parlament und ist dort isoliert. „Ich bin kein Freund von Brandmauern. Wir würden mit allen anderen Parteien sprechen.“ Wirklich? „Naja“, sagt er, „eine Koalition mit SPD, Grünen oder Linken läge sicher nicht im Interesse der Wähler und wäre zum Scheitern verurteilt.“ Das würden die anderen Parteien vermutlich auch so sehen. (Sebastian Schaffner)