
abendblatt.de · Feb 26, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260226T051500Z
In Deutschland kommt ein Vitamin-D-Mangel in den Wintermonaten häufig vor. Im Sommer kann der Körper zwar Vitamin-D-Reserven anlegen, aber häufig reichen diese nicht aus. Besonders Menschen in Norddeutschland sollten auf Vitamin D achten, warnt der Ernährungsmediziner Matthias Riedl. Neben dem Wohnort gibt es noch viele weitere Faktoren, die einen Mangel begünstigen können. Da auf Dauer ernste gesundheitliche Folgen drohen, müssen im Winter oft Vitamin-D Tabletten oder -Tropfen zum Einsatz kommen. Aber wie lange dauert es, bis ein Vitamin-D-Mangel behoben ist? Die kurze Antwort vorweg: Länger als man vermuten würde. Eine genaue Antwort darauf liefert der Mediziner Keihan Ahmadi-Simab.Wie zeigt sich ein Vitamin-D-Mangel?Auf Dauer kann ein Vitamin-D-Mangel ernste Folgen haben, vor allem für die Knochen. Vitamin D ist unter anderem dazu da, Kalzium und Phosphat in die Knochen einzuschleusen, und kann bei einem chronischen Mangel zu Knochenschwund (Osteoporose) führen. Auch an verschiedenen Stoffwechselvorgängen ist Vitamin D beteiligt, sodass sich ein Mangel an verschiedenen Stellen des Körpers bemerkbar machen kann. Ob tatsächlich ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, kann ein Arzt bei Symptomen durch einen Bluttest ermitteln. Ab wann handelt es sich um einen Vitamin-D-Mangel? Der Vitamin-D-Serumspiegel wird gemessen, indem die Vorläuferform des aktiven Vitamin D im Blut bestimmt wird. Die Werte werden in nmol/l oder ng/ml angegeben. Laut RKI gilt ein Wert von unter 30 nmol/l (12 ng/ml) als Hinweis auf eine mangelhafte Versorgung mit erhöhtem Erkrankungsrisiko. Gesundheitliche Folgen sind aber bereits bei einer „suboptimalen Versorgung“ möglich, wenn der Spiegel unter 50 nmol/l (20 ng/ml) fällt. Das RKI weist allerdings darauf hin, dass ein einmalig niedriger Wert nicht automatisch einen langfristigen Vitamin-D-Mangel bedeutet. Der Serumspiegel unterliege natürlichen Schwankungen. Ein Mangel bestehe erst, wenn dem Körper über einen längeren Zeitraum Vitamin D fehle und Mangelerscheinungen auftreten. Wie lange muss ich Vitamin D nehmen, bis Mangel ausgeglichen ist?Lebensmittel mit Vitamin D können dabei helfen, einen Mangel auszugleichen – aber nur über die Ernährung lässt er sich nicht beseitigen. Für die Behandlung müssen hoch dosierte Präparate mit synthetischem Vitamin D zum Einsatz kommen, die nur mit einem ärztlichen Rezept in der Apotheke erhältlich sind. Aber wie lange braucht der Körper, um den Vitamin-D-Mangel auszugleichen? „Bei einer Therapie mit gängigen Vitamin-D-Präparaten kann es oft etwa acht bis zwölf Wochen dauern, bis ein deutlicher Anstieg des Spiegels erreicht ist“, erklärt Keihan Ahmadi-Simab, Facharzt für Innere Medizin am Medizinicum Hamburg. Allerdings gilt dieser Zeitraum nicht für jeden. Lesen Sie dazu: Welche Vitamin-D-Tabletten empfiehlt „Öko-Test“? Und welche Vitamin-D-Tropfen sind empfehlenswert? Der Arzt sagt, drei Monate lange müsse das Präparat mindestens eingenommen werden. In manchen Fällen sei es notwendig, auch darüber hinaus zu Vitamin-D-Tabletten zu greifen, sagt Ahmadi-Simab. „Es kommt darauf an, wo der Mensch lebt“, so der Mediziner. „Im Norden empfehlen wir eine durchgehende Einnahme von Vitamin D, da das Sonnenlicht in Norddeutschland nicht für die Produktion ausreicht.“ Die Behandlungsdauer sei individuell unterschiedlich, sagt Ahmadi-Simab. Einfluss darauf haben ihm zufolge etwa die Schwere des Mangels und die verschriebene Dosis. Dabei gilt: Je niedriger die körpereigenen Reserven, desto länger die Behandlung. Dr. Ahmadi-Simab ist seit 2014 ärztlicher Direktor des Medizinicum Hamburg. Er ist Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, Klinische Immunologie und Gastroenterologie. © Medizinicum Hamburg Wer mehr Vitamin D nehmen muss, um Mangel auszugleichenEin Mangel ließe sich durch höhere Dosierungen schneller beheben, so der Mediziner: „Allerdings sollte dies stets unter ärztlicher Aufsicht geschehen, da zu hohe Dosen über längere Zeit schädlich sein können.“ So kann ein Vitamin-D-Überschuss unter anderem den Kalzium-Spiegel im Blut erhöhen und damit zu einem höheren Risiko für Nierenschäden und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Daneben spiele auch die Aufnahmefähigkeit des Körpers eine Rolle bei der Behandlungsdauer: „Manche Menschen nehmen Vitamin D aufgrund von Darmproblemen, bestimmten Medikamenten oder genetischen Faktoren schlechter auf“, sagt Ahmadi-Simab. Auch ein hohes Körpergewicht und ein hoher Fettanteil können den Vitamin-D-Ausgleich erschweren. Umgekehrt kann ein Vitamin-D-Mangel auch zu einer Gewichtszunahme beitragen. „Vitamin D ist fettlöslich und kann sich in Fettgewebe anreichern“, erklärt der Experte. Das könne den Vitamin-D-Anstieg im Blut verlangsamen. Die Folge: Bei Menschen mit höherem Körperfettanteil müssen oft höhere Dosierungen zum Einsatz kommen.