
hna.de · Feb 27, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260227T174500Z
StartseiteLokalesWitzenhausenWitzenhausenStand: 27.02.2026, 18:00 UhrKommentareGesichter des Abends: Ludger Beesten (von links), Heike Pourian und Siegfried Asselmeyer standen für Organisation, Moderation und Abschluss eines Diskussionsformats, das auf Dialog statt Debatte setzte. © Foto: Elvan PolatBis 2028 muss Witzenhausen eine kommunale Wärmeplanung vorlegen. Bürger und Politiker diskutieren jetzt darüber. Die Parteien äußerten sich bei einer Veranstaltung deutlich. Witzenhausen – Wärme ist unsichtbar. Man bemerkt sie erst, wenn sie fehlt oder wenn ihre Rechnung kommt. Genau darin liegt ihre politische Brisanz. Was bislang im Heizungskeller entschieden wurde, wird nun zur kommunalen Zukunftsfrage. Bis Mitte 2028 muss Witzenhausen eine kommunale Wärmeplanung vorlegen. Das Wärmeplanungsgesetz verlangt mehr als Absichtserklärungen. Es benötigt eine systematische Bestandsaufnahme, eine Potenzialanalyse sowie eine strategische Ausrichtung.Position beziehen im wörtlichen Sinne: Die Besucher ordneten sich im Raum ein, um ihre Haltung zur Wärmewende sichtbar zu machen. Heike Pourian leitete den dialogischen Prozess. © Foto: Elvan Polat„Wer die Nachrichten verfolgt, weiß: Energetische Sanierung ist kein Randthema mehr“, eröffnete Ludger Beesten von der Initiative „Gemeinsam für Witzenhausen“ den Abend. Seit einem Jahr organisiert die Arbeitsgruppe „Lokale Energiewende“ monatliche Foren; nicht, um Parolen auszutauschen, sondern um Orientierungswissen zu schaffen.Ziel der Veranstaltung: Sprechen und ZuhörenEingeladen hatte die Arbeitsgruppe „Lokale Energiewende“ der Initiative „Gemeinsam für Witzenhausen“. Moderiert wurde der Abend von Heike Pourian, Mitinitiatorin des Bildungshauses Wegwarte in Dohrenbach. Das Format „Sprechen und Zuhören“, ein dialogisches Verfahren, das auf kollektive Intelligenz setzt. Zu Beginn positionierten sich die Teilnehmer physisch im Raum entlang von Fragen; später diskutierten sie in Kleingruppen über ihre persönlichen Zugänge zur Wärmewende. „Es ergibt Sinn, Expertise und Betroffenheit gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen“, sagte Pourian. Demokratie, so ihre implizite These, ist kein Schlagabtausch, sondern ein Erkenntnisprozess.In den Gesprächsgruppen kristallisierte sich ein Leitmotiv heraus: Differenzierung. „Es wird nicht die eine große Lösung geben“, sagte ein Teilnehmer. „Waldnahe Ortsteile könnten Hackschnitzel prüfen, entlang der Werra wasserbasierte Systeme, im Umfeld der Papierfabrik die Nutzung industrieller Abwärme.“ Harald Wellnitz reflektierte die soziale Dimension: „Als Vermieter habe ich Entscheidungshoheit, aber ich habe verstanden, wie existenziell sich diese Abhängigkeit für Mieter anfühlen kann.“ Sonja Biermann-Hirth betonte die entlastende Dimension des Dialogs: „Schon das gemeinsame Gespräch zeigt, dass man mit seinen Fragen nicht allein ist.“ Stefan Wetekam aus Neuseesen verwies auf strukturelle Realitäten: „Meine Photovoltaikanlage ist genehmigt. Doch das Stromnetz ist der Engpass. Ohne Netzausbau bleibt die Energiewende Stückwerk.“Parteien äußern sich klar zur WärmeplanungIn der politischen Runde bezogen die Parteien klar Position. Janis Stoye und Jennifer Wagner (FWG) betonten, man wolle den Prozess transparent begleiten und regelmäßig parlamentarisch nachfassen. „Die Wärmeplanung ist eine Chance für eine unabhängige und bezahlbare Versorgung“, sagte Wagner. Gardis von Gersdorff (Grüne) erinnerte an die bundesgesetzliche Verbindlichkeit: „Die Wärmeplanung kommt, unabhängig von politischen Stimmungen. Entscheidend ist, dass wir den Ausstieg aus fossilen Energien sozialverträglich gestalten.“ Lukas Schwendel (SPD) sprach von „vielen pragmatischen Einzellösungen“ und verwies auf das Vertrauen in Verwaltung und Bürgermeister. Stephan Brübach (CDU) plädierte für Dezentralität und gesellschaftliche Selbstverantwortung: „Wir wollen erneuerbare Energie, aber nicht vor der eigenen Haustür. Diese Ambivalenz müssen wir überwinden.“Dr. Christian Platner, bislang für die Bunte Liste aktiv und nun Kandidat der Linken, formulierte naturwissenschaftlich präzise: „Als Naturwissenschaftler sage ich: Der Klimawandel schreitet voran, unabhängig von politischen Debatten“, so Platner. „Gerade auf kommunaler Ebene haben wir reale Stellschrauben, etwa über unsere Stadtwerke oder die Nutzung industrieller Abwärme. Entscheidend ist jedoch, dass die Transformation sozial gerecht finanziert wird. Eine Wärmewende darf nicht zur Belastungswende für diejenigen werden, die ohnehin wenig Spielraum haben.“Wärmewende mehr als ein VerwaltungsaktAm Ende formulierte Siegfried Asselmeyer, Initiative „Gemeinsam für Witzenhausen“, ein Resümee, das über Parteigrenzen hinauswies: „Die kommunale Wärmeplanung ist kein Verwaltungsakt, sondern ein Gemeinschaftswerk, eine Frage der Verantwortung füreinander und für die kommenden Generationen. In Witzenhausen hat dieser Prozess begonnen.“Die FDP war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Saal; ein anschließender Termin verhinderte eine abschließende Stellungnahme. (Elvan Polat)