
merkur.de · Feb 22, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260222T153000Z
StartseiteLokalesStarnbergTutzingStand: 22.02.2026, 15:02 UhrKommentareLieblingsplatz: Bürgermeister Ludwig Horn auf der Bank am Thoma-Platz in Tutzing. © Andrea JakschDer Tutzinger Bürgermeister tritt ohne Konkurrenz an. Er spricht über Finanznöte und den verzögerten Bau der Mittelschule in Tutzing.Tutzing – In Tutzing gibt es bei der Wahl am 8. März nur einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt: Ludwig Horn (29) von der CSU, der erst vor rund zwei Jahren ins Rathaus eingezogen ist. Merkur-Redakteurin Sandra Sedlmaier sprach mit ihm über Demokratie, Konsensfindung und Ziele für die nächste Wahlperiode.Acht wollen in den GemeinderatVon den neun Parteien und Gruppierungen, die im aktuellen Tutzinger Gemeinderat vertreten, sind, bewerben sich am 8. März acht um Mandate. Die CSU ist aktuell die stärkste Fraktion. Sie möchte sich für mehr Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche engagieren, das Gewerbe unterstützen, eine Nahwärmelösung mit Seethermie für den Ortskern erarbeiten und die Verwaltung digitalisieren. Der ÖDP liegen soziale Belange ebenso am Herzen wie Umwelt- und konsequenter Tierschutz. Die SPD setzt auf eine Verbesserung des ÖPNV, bezahlbaren Wohnraum und einen lebenswerten Ort für die Jungen ebenso wie für die Senioren. Die Tutzinger Liste möchte eine überlegte Ortsentwicklung, Digitalisierung und einen stabilen Gemeindehaushalt. Die Grünen fordern eine Stabilisierung des Gemeindehaushalts, einen Jugendtreff, bezahlbaren Wohnraum sowie eine Stärkung des ÖPNV und des Radwegenetzes. Die FDP will sich dafür starkmachen, dass Tutzing ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt, dass das Gymnasium neu gebaut wird, dass der Parkplatz an der Greinwaldstraße und das Seehof-Areal für bezahlbaren Wohnraum oder ein Hotel entwickelt werden und der innerörtliche Verkehr durch eine Nord-Süd-Verbindung entzerrt wird. Die Freien Wähler wollen die Wirtschaft vor Ort stärken, mehr Wohnraum schaffen, sich für Familien einsetzen und Kinder und Jugendliche in Entscheidungsprozesse einbinden. Die UWG Traubing möchte die Nahversorgung für den Ortsteil stärken, die Dorferneuerung beleben, den Hochwasserschutz umsetzen und die örtlichen Vereine gezielt fördern. Die Partei „Die Basis“ mit derzeit einer Vertreterin hat es nicht geschafft, ausreichend Unterschriften für eine Zulassung zur Wahl zu bekommen. Herr Horn, Sie sind bei der anstehenden Bürgermeisterwahl in Tutzing der einzige Kandidat. Wie fühlt sich das an?Ehrlich gesagt, etwas komisch. Es fehlt der direkte Diskussionsraum. Politik lebt vom Austausch, von Reibung. Auch wenn man sich im Ziel einig ist, kann man über den Weg streiten – das bringt gute Lösungen hervor.Hätten Sie sich einen Gegenkandidaten gewünscht?Ja, das hätte einen gewissen Reiz gehabt. Diskussion bedeutet nicht zwangsläufig Konfrontation. Sie kann auch beflügeln. Natürlich würde ich trotzdem gerne gewinnen. Und auch ohne Gegenkandidaten brauche ich 50 Prozent der Stimmen plus eine. Sehen Sie die Tatsache, dass es keinen Gegenkandidaten gibt, als Bestätigung für Ihre Arbeit?Das ist schon schön, aber ich würde das nicht überbewerten. Das ist der Sondersituation geschuldet, dass erst vor gut zwei Jahren zuletzt Bürgermeisterwahl war. Also nicht aus Mangel an Demokratie in Tutzing? Nein. Es gibt viele Gruppierungen bei uns, die auf verschiedene Themen setzen. Und es war lang genug Zeit, einen Gegenkandidaten aufzustellen. Sie gelten als jemand, mit dem man gut zusammenarbeiten kann. Ist das ein bewusster Führungsstil?Absolut. Ich versuche, keinen Vorschlag einfach abzubügeln. Natürlich gibt es Anträge, die so nicht gehen. Aber fast jeder hat einen sinnvollen Kern. Den versuche ich herauszuarbeiten. Ich halte es für wichtig, dass sich alle gehört fühlen. Dann lassen sich auch sachliche Diskussionen führen. Gelernt habe ich das vor allem im Vereinsleben. Wenn alle ehrenamtlich arbeiten, kann man niemanden zwingen – man muss überzeugen..Und wenn Sie sich im Gemeinderat mal nicht durchsetzen?Dann ärgert mich das schon, aber am Ende beauftragt der Gemeinderat den Bürgermeister – das muss man akzeptieren. Ich frage mich dann eher, ob meine Argumente klar genug waren oder ich etwas übersehen habe.Ein großes Thema sind die Gemeindefinanzen. Wie angespannt ist die Lage?Unser Haushalt ist genehmigt und wir können investieren – leider auch mit Schulden. Aber es sind sinnvoll investierte Schulden, etwa für die Wasserversorgung oder die Mittelschule. Unser Eigenanteil an der Mittelschule liegt derzeit bei rund neun Millionen Euro.Bei Gesamtkosten von mindestens 28 Millionen Euro. Wird die Gemeinde die Kustermann-Villa verkaufen müssen?Das steht noch nicht fest. Eventuell können wir das notwendige Geld über Kredite beschaffen. Darauf arbeite ich hin, und es zeichnet sich auch eine gute Entwicklung in der Gewerbesteuer ab. Gleichzeitig stellt sich aber die Frage: Wohin wollen wir langfristig mit der Villa? Sie ist identitätsstiftend, aber auch teuer im Unterhalt. Derzeit ist die Villa ein ungeschliffener Diamant. Wieso verzögert sich der Bau der Mittelschule derart?Hauptproblem war die mangelnde Koordination der Fachplanung gewesen. Dazu kamen Insolvenzen, Firmen, die nicht geliefert haben, und auch neue Anforderungen – etwa durch den Einbau eines Eisspeichers wegen der Energiewende. Das alles kostet Zeit und Geld.Ist abzusehen, wann die Schule fertig ist?Aktuell können wir nichts dazu sagen. Unter anderem müssen wir uns strikt an das Vergaberecht halten, auch wenn das weitere Verzögerungen bedeutet. Welche positiven Nachrichten aus Tutzing gibt es?Bei den Kitas sind wir aktuell gut aufgestellt, wir haben mehr Plätze als erwartet. Und im Bereich Jugendarbeit sind wir in Gesprächen mit einer Person, die unser Konzept von einer offenen Jugendarbeit weiterentwickeln könnte.Was kann die Gemeinde für bezahlbaren Wohnraum leisten?Wir können die Situation abdämpfen, aber nicht vollständig lösen. Ein wichtiges Projekt ist das Schönmoos. Der Bebauungsplan ist noch in der Auslegung, aber wir sind an dem Punkt, an dem wir mit den Beteiligten konkret über Finanzierung und Umsetzbarkeit sprechen. Ziel wäre, 2027 so weit zu sein, dass das Projekt steht.Mithilfe einer Genossenschaft?Grundsätzlich finde ich Genossenschaften gut. Aber das Schönmoos sollte über den Verband Wohnen organisiert werden und nicht als Tutzinger Sonderlösung, damit eine tragfähige Lösung gefunden wird. Wie wäre es, billiger zu bauen, mit niedrigeren Standards?Theorie und Praxis liegen da weit auseinander. Man kann Standards absenken, aber nicht beliebig. Mietrecht, Lärmschutz, Gesundheit – all das spielt eine Rolle. Der gern herangezogene Vergleich mit Flüchtlingsunterkünften hinkt, weil dort kein Mietvertrag besteht. Ich wünsche mir günstigere Lösungen, aber die Spielräume sind begrenzt. Als Gemeinde können wir Wohnraum über einkommensorientierte Förderung (EOF) schaffen. Bei Neubauprojekten erhalten wir Belegungsrechte für einzelne Wohnungen, die günstiger vermietet werden. Die Differenz zur Marktmiete übernimmt der Freistaat. Das sind oft nur zwei, drei oder vier Wohnungen – aber die Durchmischung ist wichtig, und für Menschen mit geringerem Einkommen ist das ein echter Hebel.Was sind Ihre Schwerpunkte bei den Themen Umwelt, Klima, Energie? Beim Klima geht es unter anderem um das Starkregenkonzept, das wir endlich starten wollen. Außerdem beschäftigen wir uns mit Nahwärme und Seethermie. Die Machbarkeitsstudie für die Seethermie soll im Sommer fertig sein. Danach würde ich dem Gemeinderat empfehlen, auch die kommunale Wärmeplanung anzugehen. Und wir müssen so viele Straßen sanieren, da wäre es sinnvoll zu prüfen, wo man Wärmeleitungen mit verlegen kann. Heißt das, Straßenbau und Wärmenetz sollen zusammen gedacht werden?Genau. Aber nicht blindlings – dafür braucht es saubere Voruntersuchungen und eine solide Finanzierung.Ein weiteres Stichwort ist Katastrophenschutz.Der wird immer wichtiger – von Starkregen über Schneefall bis zu Stromausfällen. Wir planen, dafür eine Stelle zu schaffen, die das Thema koordiniert, Szenarien übt und Ehrenamtliche unterstützt. Sie sind vor gut zwei Jahren mit dem Thema Digitalisierung angetreten. Wie läuft es?Ehrlich gesagt: zäh. Wir haben Fortschritte gemacht – neue Website, Newsletter, barrierefreie Angebote. Was ich mir noch sehr wünsche, ist eine Bürger-App mit Services wie Ummeldung, Wahlunterlagen oder Schadensmelder. Das hilft den Bürgern und entlastet die Verwaltung.Wo sehen Sie Tutzing in zehn Jahren?Finanziell stabil. Dazu kommen funktionierende Strukturen bei Feuerwehr, öffentlicher Sicherheit und Katastrophenschutz, eine leistungsfähige digitale Verwaltung und gute Services für die Bürger. Wenn uns das gelingt, wäre das ein großer Gewinn für Tutzing.Und wie wollen Sie den Zusammenhalt in Tutzing stärken?Ich glaube, bei den großen Themen brauchen wir Konzepte, mit denen alle leben können – gerade bei grundsätzlichen Entscheidungen wie Finanzierung oder Zukunftsfragen. Da sollten wir möglichst geschlossen auftreten. Der zweite große Bereich ist die Daseinsvorsorge: Menschen zusammenbringen, motivieren, Angebote schaffen und besser vernetzen, vor allem im Pflegebereich. Deshalb haben wir gemeinsam mit der Ambulanten Krankenpflege eine Koordinierungsstelle auf den Weg gebracht. Dort werden ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mit konkreten Bedarfen zusammengebracht – etwa wenn jemand im hohen Alter Hilfe im Alltag benötigt, ohne gleich Pflegeleistungen in Anspruch zu nehmen.Zusammenhalt entsteht auch durch Feste wie die Fischerhochzeit heuer.Absolut. Veranstaltungen wie die Fischerhochzeit stiften Identität. Aber auch Beteiligungsprozesse wie das ISEK sind enorm wichtig. Menschen wollen nicht nur neue Gehwege sehen, sondern das Gefühl haben, dass sie ihren Ort mitgestalten. Wenn man dann sichtbar macht, was aus den Ideen geworden ist, stärkt das die Identifikation enorm.Warum halten Sie sich für den richtigen Kandidaten?Weil ich entschlossen bin, Tutzing in den nächsten sechs Jahren an den entscheidenden Punkten v