watson.ch · Feb 22, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260222T094500Z
KI ist ein Werkzeug mit unglaublichem Potenzial und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, insbesondere im Gesundheitswesen.bild: Keystone / Imago / Shutterstock, montage watsonRöstibrückeWeder Bedrohung noch Wunder – KI verändert das Schweizer Gesundheitssystem bereits. Nun gilt es, die Risiken zu regulieren und uns nicht von Ängsten lähmen zu lassen, um ihr volles Potenzial zu nutzen.Cet article est également disponible en français. Lisez-le maintenant!Karin PerraudinÜber die Risiken der Künstlichen Intelligenz wird viel gesprochen – manchmal sogar zu viel. Währenddessen spart KI in Schweizer Spitälern bereits Zeit, verbessert die Pflege und unterstützt die Teams. Die Schweiz geht eher vorsichtig vor, aber sie macht Fortschritte. Und das ist gut so, denn das Potenzial ist enorm.KI im Gesundheitswesen ist keine Vision für 2040 – sie ist die Realität im Jahr 2026. Sie unterstützt bereits Ärztinnen und Ärzte, verändert die Organisation der Spitäler, fördert Prävention und verringert in manchen Fällen den administrativen Druck. Dennoch müssen wir noch mehr tun, um das volle Potenzial der KI auszuschöpfen – ohne dabei die Risiken zu ignorieren. Ohne uns von Angst oder blindem Enthusiasmus leiten zu lassen, sollten wir uns auf die wirklich entscheidende Frage konzentrieren: Wie können wir das Beste aus der KI herausholen und gleichzeitig die Sorgen im Griff behalten?RöstibrückeJeden Sonntag lädt watson Persönlichkeiten aus der Romandie ein, um aktuelle Ereignisse zu kommentieren oder ein Thema ins Licht zu rücken, das sonst zu wenig Beachtung findet.Mit dabei: Nicolas Feuz (Schriftsteller), Anne Challandes (Schweizer Bauernverband), Roger Nordmann (Berater, ehem. SP-Nationalrat), Damien Cottier (FDP), Céline Weber (GLP), Karin Perraudin (Groupe Mutuel, ehem. CVP), Samuel Bendahan (SP) und die QoQa-Otte.Bereits heute sind konkrete Fortschritte sichtbarIn den Spitälern entwickelt sich KI zunehmend zu einem leistungsfähigen Instrument, das sich in den medizinischen Alltag integriert. Überall zeigt sich dasselbe Bild: KI automatisiert die Medizin nicht – sie unterstützt und ergänzt sie.In der Radiologie, der Mammografie oder der Traumatologie liefern KI-basierte Systeme gewissermassen ein zweites Augenpaar: Sie erkennen Auffälligkeiten, beschleunigen die Auswertung und sorgen für eine bessere Standardisierung. Kein Arzt und keine Ärztin delegiert das eigene Urteil an die Maschine – aber alle gewinnen Zeit und zusätzliche Sicherheit.Bei den Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) beschleunigt ein neues KI-Kompetenzzentrum die Integration künstlicher Intelligenz in Bereichen wie Neurowissenschaften, psychische Gesundheit oder Patientenfluss-Management. Auch hier ist KI kein Gadget: Sie hilft, bestimmte Wartezeiten zu verkürzen, Abläufe zu optimieren und das medizinische Personal auf das zu konzentrieren, was wirklich zählt.Ebenfalls bei den Hôpitaux universitaires de Genève ermöglicht der Chatbot «confIAnce» der Bevölkerung, Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzten jederzeit Zugang zu überprüften medizinischen Informationen. Er versteht sich als Ergänzung zu physischen Arztkonsultationen. Eine interessante Lösung – gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Wartezeiten für Arzttermine verlängern, insbesondere in der Grundversorgung.In der Prävention zeigen Institute wie das CSEM, dass KI zunehmend in der Lage ist, Krankheitsrisiken früher zu erkennen – indem sie biologische Daten, Sensoren, Biomarker oder genomische Analysen kombiniert. Eine stärker personalisierte, kostengünstigere und wirksamere Prävention: ein Wandel, der unser Gesundheitssystem spürbar entlasten kann.Auch auf Seiten der Versicherer hält KI zunehmend Einzug in die Prozesse. Bei der Groupe Mutuel erleichtert der virtuelle Assistent «EVA» administrative Schritte und sorgt für schnelle, konsistente Antworten für die Versicherten. KI ersetzt hier niemanden – sie wirkt als Service-Verstärker für die Kundinnen und Kunden.Es gibt Risiken – aber sie sind zu managen, nicht zu fürchten.Der Einsatz von KI im Schweizer Gesundheitssystem bringt selbstverständlich Herausforderungen und gewisse Risiken mit sich. Oft werden folgende Gefahren genannt: Algorithmusfehler, Verzerrungen, technologische Abhängigkeit. Diese Risiken existieren, aber sie dürfen uns nicht lähmen. Das wahre Risiko wäre, ohne Methodik voranzugehen. Das zweite wäre, überhaupt nicht voranzukommen. Stillstand in diesem Bereich ist keine Option.Nehmen wir das Beispiel der Diagnosehilfesysteme. Eine kürzlich durchgeführte Studie, geleitet vom Inselspital und der Universität Bern, erinnert daran, dass sie noch keine Wunder vollbringen: In den Notaufnahmen verbessert die getestete KI die Diagnosequalität nicht signifikant.Sollte man daraus schliessen, dass KI nutzlos ist? Nein. Man sollte daraus schliessen, dass sie ein ergänzendes Werkzeug ist und als solches eingesetzt werden muss.Gleiches gilt für die Fragen der Governance. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist darauf hin, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen langsamer voranschreiten als die Technologie, aber dass Länder, die frühzeitig handeln, dies zu einem strategischen Vorteil machen können. Und die Schweiz geht in diesem Bereich mit ihrem vorsichtigen und anpassungsfähigen Modell voran. Wir haben alles, was nötig ist, um erfolgreich zu sein – solange wir uns nicht von der Angst lähmen lassen.Was die Bedenken hinsichtlich der technologischen Souveränität betrifft, so führen diese bereits zu konkreten Lösungen. Ein Beispiel dafür ist Apertus, ein Schweizer KI-Modell, das Open Source und mehrsprachig ist. Es zeigt, dass ein innovatives Land wie unseres nicht nur Zuschauer, sondern auch Akteur sein kann.Bleibt die Frage der Cybersicherheit. Ja, die Angriffe nehmen zu. Aber auch hier reagiert die Schweiz. Achtzehn Spitäler haben sich zusammengeschlossen, um ein nationales Zentrum für Cybersicherheit zu schaffen, ihre Tools zu bündeln, Warnungen auszutauschen und ihre Resilienz zu stärken. Eine kollektive Antwort, die das systemische Risiko erheblich verringert.KI: Weder Feind noch WundermittelKünstliche Intelligenz sollte weder als Sprung ins Ungewisse noch als magische Lösung wahrgenommen werden. Sie ist ein Beschleuniger. Ein Multiplikator von Fähigkeiten. Sie muss eine ergänzende Rolle zu den menschlichen Kompetenzen spielen.In diesem Kontext hat die Schweiz einen entscheidenden Vorteil: ihre Konsenskultur, ihre ethische Strenge und ihre Innovationskraft. KI ist eine einzigartige Chance, unser Gesundheitssystem voranzubringen. Es liegt an uns, sie verantwortungsbewusst und mit Ambition zu nutzen.Karin Perraudin ist …Absolventin der HEC Lausanne und eidgenössisch diplomierte Wirtschaftsprüferin. Im Jahr 2002 wurde sie im Alter von 28 Jahren Mitglied des Verwaltungsrats der Walliser Kantonalbank, dem sie von 2011 bis 2013 als Präsidentin vorstand. Heute ist sie Verwaltungsratspräsidentin der Groupe Mutuel sowie Verwaltungsrätin bei fenaco und Ameropa. Neben ihrem wirtschaftlichen Engagement setzt sich Karin Perraudin als Präsidentin der Fovahm (Walliser Stiftung für Menschen mit geistiger Behinderung) auch für soziale Aspekte ein.bild: dr