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EEG - Novelle : Ende des Booms für Dach - Solaranlagen und Fotovoltaik - Spektrum der Wissenschaft
spektrum.de
Published about 4 hours ago

EEG - Novelle : Ende des Booms für Dach - Solaranlagen und Fotovoltaik - Spektrum der Wissenschaft

spektrum.de · Feb 27, 2026 · Collected from GDELT

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Published: 20260227T211500Z

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Die Energiewende in der deutschen Stromversorgung ist nach Ansicht vieler Expertinnen und Experten bislang vor allem eines: ein Erfolg. Im Jahr 2025 lieferten Wind, Photovoltaik und Co. 56 Prozent der elektrischen Energie. Dieser Erfolg ist maßgeblich dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, geschuldet. Seit seiner Einführung im Jahr 2000 belohnt es Privathaushalte, die ihren Solarstrom ins Netz einspeisen, mit einer Vergütung; und es verpflichtet Netzbetreiber, den Strom aus erneuerbaren Quellen abzunehmen und weiterzuleiten.Die Kehrseite des Erfolgs sind allerdings die damit verbundenen Kosten. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will den Ausbau der erneuerbaren Energien deswegen stärker marktwirtschaftlichen Prinzipien unterwerfen – und dafür das EEG reformieren. Ein erster Entwurf, der auf den 22. Februar 2026 datiert ist, gelangte vor Kurzem an die Öffentlichkeit.Das Wichtigste vorneweg: Die ursprünglichen Ausbauziele bleiben erhalten – und die sind ambitioniert. Bis zum Jahr 2030 soll Windenergie an Land von aktuell 68 Gigawatt auf 115 Gigawatt steigen, Photovoltaik von 117 auf 215 Gigawatt. Zusammen mit anderen Quellen wie der Offshore-Windenergie, die allerdings nicht durch das EEG geregelt wird, sollen sie dann 80 Prozent des Strombedarfs in Deutschland decken.Neben den Ausbauzielen sollen sich allerdings drei wesentliche Punkte des EEG ändern. Zum einen gibt das Wirtschaftsministerium im Gesetz keine Schätzung mehr darüber ab, wie viel Strom in Deutschland im Jahr 2030 verbraucht wird. Zwar gibt der vom Ministerium im Herbst 2025 in Auftrag gegebene Monitoringbericht eine Spanne von 600 bis 700 Terawattstunden an, doch dies ist eine Prognose mit vielen Unsicherheiten, insbesondere mit Blick auf die volatile Entwicklung der Industrie.Leistung bestellt, aber keine StrommengenWährend sich das auch weitgehend mit Einschätzungen aus Expertenkreisen deckt, sorgt eine weitere geplante Änderung jedoch für Kontroversen. Wegfallen soll nämlich auch der sogenannte Strommengenpfad. Die Regierung gibt zwar an, wie viel Leistung an Wind- und Solarenergie zu installieren ist, nicht aber, wie viel Strom sie liefern sollen. Wenn heute nur schwer absehbar ist, wie viel Strom man bis Ende des Jahrzehnts braucht, macht es schließlich auch wenig Sinn, feste Vorgaben für die zu liefernden Grünstrommengen zu machen, argumentieren Befürworter. Kritiker entgegnen, dass genau diese Strommengenvorgabe eine wichtige Grundlage für Ausschreibungen neuer Wind- und Solarprojekte sei und auch Netzbetreiber sich in ihrer Kapazitätsplanung daran orientierten.So sieht es etwa Uwe Holzhammer von der Technischen Hochschule Ingolstadt. Als Kompromiss schlägt er gegenüber dem Science Media Center »relative Zielgrößen« vor, also geforderte Strommengen, die in kürzeren Abständen am Bedarf ausgerichtet werden. »Ein solcher Pfad sollte im Gesetz eindeutig formuliert sein und als verbindlicher Orientierungsrahmen dienen.«Einspeisevergütung vor dem AusAm weitesten gehen die Meinungen allerdings beim Ausbau von Photovoltaik auseinander, denn mit der geplanten Gesetzesnovelle steht nicht weniger auf dem Spiel als die Solaranlage auf dem Hausdach. Bislang ist sie die heimliche Heldin der Energiewende. Mehr als ein Drittel der installierten Photovoltaikleistung entfällt auf die vergleichsweise kleinen Dachanlagen.Maßgeblicher Treiber für diesen Ausbau war die Einspeisevergütung durch das EEG. Doch die soll nach den Plänen von Wirtschaftsministerin Reiche wegfallen. Grund ist neben den hohen Kosten für die Vergütung auch die Tatsache, dass Privatanlagen an sonnenreichen Tagen auch dann noch – vergüteten – Strom ins Netz einspeisen, wenn dieser gar nicht mehr nachgefragt wird. Stattdessen sollten PV-Besitzer ihren Strom direkt vermarkten; vergütet würde der eingespeiste Strom dann entsprechend des aktuell gültigen Börsenpreises für Strom. Da Privathaushalte das organisatorisch kaum allein stemmen können, müssten sie dafür gegen Bezahlung einen Vermarkter beauftragen, was das Einspeisen in der Praxis nur noch wenig rentabel machen würde.»Feste Einspeisevergütungen können kein Dauerzustand sein« Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für WirtschaftsforschungChristian Rehtanz von der Technischen Universität Dortmund hält die Maßnahme dennoch für angemessen und verweist auf die gesunkenen Kosten von Batteriespeichern. Dachanlagen könnten heute mit großen Speichern ausgestattet werden und so die gefürchteten Einspeisespitzen im Netz vollständig vermeiden. Weil dann aber auch mehr Solarstrom im eigenen Haushalt verbraucht werde, rechne sich die Kombination aus Solardach und Speicher trotzdem. »Hierzu bedarf es keiner Förderung mehr.«Grundsätzlich unterstützt auch Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung diese Einschätzung. »Feste Einspeisevergütungen können kein Dauerzustand sein.« Und doch übt sie scharfe Kritik an dem Vorhaben, denn nach den bekannt gewordenen Plänen wird die Einspeisevergütung zu abrupt in die Direktvermarktung überführt. Heute seien die Stromnetze noch nicht flächendeckend digitalisiert, der Smart-Meter-Rollout stocke, Flexibilitätsmärkte seien unterentwickelt. »Marktintegration auf einem halb fertigen Spielfeld ist kein Effizienzgewinn, sondern ein Strukturbruch.«Dachflächen bleiben ungenutztDa sich das Einspeisen durch die geplante Novelle kaum mehr lohnen würde, ist zu erwarten, dass Hausdachanlagen künftig kleiner dimensioniert werden. Im Gegensatz zu vielen heute installierten Dachanlagen decken sie dann den Eigenbedarf an Strom, aber nichts mehr darüber hinaus. »Dies kann zu einer systematischen Unterausnutzung geeigneter Dachflächen führen«, sagt Uwe Holzhammer. Für Gebäude mit niedrigem oder fehlendem Eigenverbrauch würden dann erst gar keine Solaranlagen mehr erwogen.Dieses Risiko sieht auch Manfred Fischedick vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und schlägt deswegen einen Übergangszeitraum vor, in dem die Einspeisevergütung von Jahr zu Jahr sinkt und erst in einigen Jahren null erreicht. Fischedick sorgt sich aber auch noch um einen weiteren Aspekt der Energiewende: die Teilhabe. »Gerade im Bereich der Hausdachanlagen haben sich in den letzten Jahren breitere Bevölkerungsschichten beteiligt.« Diese breite Partizipation drohe nun unnötigerweise wegzubrechen, und damit auch der gesellschaftliche Rückhalt für die Energiewende, denn »von allen Formen der erneuerbaren Energien weisen Photovoltaik-Dachanlagen die mit Abstand höchste gesellschaftliche Akzeptanz auf.«»Ich empfehle der Bundesregierung dringend, die geplanten Änderungen zu überdenken«Manfred Fischedick, Leiter des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, EnergieDa das Ausbauziel für die Solarenergie weiterhin hoch bleibt, infolge der geplanten EEG-Novelle aber absehbar weniger Hausdachanlagen installiert würden, dürfte die Hauptlast des Solarausbaus künftig bei Freiflächenanlagen liegen, also Solaranlagen, die auf Feldern und Wiesen stehen. Die Energie aus Freiflächenanlagen ist günstiger als die von Dachanlagen, unter anderem weil die Module leichter zu installieren sind und in großer Stückzahl optimal zur Sonne ausgerichtet werden können. Allerdings verbrauchen sie auch Fläche, die sonst der Landwirtschaft oder auch als ungenutzter Naturraum dienen könnte.»Ich bezweifle, dass der geplante stärkere Ausbau der Freiflächen-Photovoltaik ausreichend sein wird, um den zu erwartenden deutlichen Rückgang bei den Photovoltaik-Dachanlagen zu kompensieren«, sagt Fischedick. »Ich empfehle der Bundesregierung daher dringend, die geplanten Änderungen an den Bedingungen für die Photovoltaik-Dachanlagen zu überdenken.«


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