spektrum.de · Feb 16, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260216T101500Z
Viele setzen auf Intervallfasten, um Gewicht zu verlieren. Doch wie schneidet die Methode im Vergleich zu anderen Diäten ab? Eine Metanalyse liefert ernüchternde Ergebnisse. © nambitomo / Getty Images / iStock (Ausschnitt) In der gängigsten Form des Intervallfastens nimmt man 16 Stunden lang kein Essen zu sich und holt dies in den verbleibenden acht Stunden nach (16 : 8-Methode). Intervallfasten ist womöglich weniger effektiv als von vielen Menschen angenommen, wie eine Cochrane-Analyse zeigt. Demnach verlieren Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas durch Intervallfasten wohl nicht mehr als mit anderen Diätformen. Die Ergebnisse seien allerdings mit Unsicherheiten behaftet. »Es handelt sich dabei bislang nur um Hinweise, nicht um einen Beweis. Das heißt, wir können die Wirksamkeit von Intervallfasten noch nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilen«, erklärte Jörg Meerpohl vom Universitätsklinikum Freiburg gegenüber der dpa. Meerpohl ist Direktor von Cochrane Deutschland und selbst nicht an der Arbeit beteiligt.Für die Analyse wertete das Team um Luis Garegnani vom Universidad Hospital Italiano in Buenos Aires 22 Studien mit knapp 2000 Teilnehmern aus Nordamerika, Europa, China, Australien und Südamerika aus. Verglichen wurden Intervallfasten‑Methoden mit herkömmlichen Diätempfehlungen sowie – in einigen Studien – mit gar keiner Intervention.Intervallfasten: Kaum Vorteil gegenüber klassischen DiätenDie Analyse ergab »wenig bis keine Unterschiede« gegenüber klassischen Diäten, sowohl beim prozentualen Gewichtsverlust als auch beim Anteil der Personen, die mindestens fünf Prozent ihres Körpergewichts reduzierten. Auch eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität konnte nicht nachgewiesen werden. »Intermittierendes Fasten mag für manche Menschen eine sinnvolle Option sein, doch die derzeitige Studienlage rechtfertigt nicht die Begeisterung, die wir in den sozialen Medien beobachten«, erklärte Garegnani.Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2022 rund 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt übergewichtig, das entspricht 43 Prozent der Menschen ab 18 Jahren. Von ihnen waren 890 Millionen – 16 Prozent aller Erwachsenen – adipös.»Gewichtsverlust bleibt die wichtigste Strategie zur Reduzierung der gesundheitlichen Risiken und gesellschaftlichen Folgen von Übergewicht und Adipositas«, heißt es in der Cochrane-Analyse. Eine allgemeine Empfehlung für eine bestimmte Maßnahme auszusprechen, sei aufgrund der aktuellen Studienlage aber schwierig, sagte Mitautorin Eva Madrid von der Universidad de ValparaÃso in Chile.Auch vorherige Metaanalysen hätten übereinstimmend keinen besonderen Vorteil von Intervallfasten gegenüber vergleichbaren Diätinterventionen ermittelt, erklärte Stefan Kabisch von der Charité in Berlin gegenüber der dpa. Eine merkliche Gewichtsabnahme habe sich in der Regel nur im Vergleich zu gar keiner Ernährungsumstellung ergeben.Die Beweislage bleibe jedoch unsicher. Denn hinzukommt, dass Intervallfasten verschiedene Ansätze umfasst. Darunter etwa die 8:16‑Methode, bei der man acht Stunden am Tag essen darf und die verbleibenden 16 fastet, oder die 5:2‑Diät, bei der an fünf Tagen der Woche normal gegessen und an zwei Tagen weitgehend gehungert wird. Beim Alternate-Day-Fasting (ADF) wiederum wird typischerweise jeden zweiten Tag gefastet.»Die gesamte Studienlage beinhaltet also dutzende Spielarten des Intervallfastens, die man nicht in einen Topf werfen sollte«, so Kabisch. »Langzeitdaten, wie Studien von mehr als zwei Jahren Dauer, existieren praktisch gar nicht.« Kleine Teilnehmerzahlen und fehlende Daten seien für Analysen in dem Bereich typisch – selbst die für das Cochrane-Review gewählten Studien wiesen methodische Schwächen auf, die auch genannt würden. Klar ist Kabisch zufolge aber: »Der Hype um Intervallfasten war zu keiner Zeit von überzeugenden Humanstudien untermauert, sondern verfrüht bis ungerechtfertigt.«Welche Diät passt zu wem?Auch Annette Schürmann vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) weist gegenüber der dpa darauf hin, dass die ausgewählten Studien extrem heterogen seien, unter anderem mit Blick auf die Teilnehmenden und die Fastenformen. Es sei nicht möglich, daraus die klare Aussage abzuleiten, dass Intervallfasten beim Abnehmen generell keinen besseren Effekt habe. Aus Tierstudien sei zudem bekannt, dass Intervallfasten positiv auf den Blutzuckerspiegel wirke.Zusammengefasst bedeuten die neuen Daten zumindest: Wer Gewicht verlieren und seine Gesundheit verbessern möchte, kann – am besten ärztlich beraten und begleitet – die selbst bevorzugte Methode wählen. Bestenfalls eine, die man auch langfristig gut durchhalten kann. (dpa/doe)© dpa/spektrum.de Quellen Garegnani, L. et al., Cochrane Database of Systematic Reviews 10.1002/14651858.CD015610.pub2, 2026