
deutschlandfunk.de · Feb 26, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260226T123000Z
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi in Genf (Archivbild) (dpa / KEYSTONE / Martial Trezzini) Die finnische Zeitung HELSINGIN SANOMAT schreibt: "Ganz offensichtlich hat US-Präsident Trump keinen Plan für sein weiteres Vorgehen gegenüber dem Iran, und trotzdem bereitet er Angriffe auf das iranische Atom- und Raketenprogramm vor. Seit dem Irak-Krieg hat es keine so große amerikanische Militärpräsenz mehr in unmittelbarer Nähe des Iran gegeben. Der Countdown läuft. Die USA fordern ein Ende der Urananreicherung und eine Zerstörung der vorhandenen Bestände, eine Begrenzung der ballistischen Raketen und eine Einstellung der Unterstützung für verbündete Milizen. Der Druck zeigt Wirkung, allerdings nicht in die gewünschte Richtung. Für das iranische Regime ist ein Krieg womöglich ein geringeres Übel als der Verlust von Macht und Einfluss", überlegt HELSINGIN SANOMAT aus Finnland. "Seit Langem wird fast täglich darüber diskutiert, ob ein Angriff auf den Iran stattfinden wird und wie viele Flugzeuge und Schiffe dafür noch benötigt werden", notiert die türkische Zeitung MILLIYET. "Derzeit versucht Trump, den Iran durch Zwangsdiplomatie in die Knie zu zwingen. Die vorherrschende These ist jedoch, dass ein Angriff der USA auf den Iran nach einer solch massiven Aufrüstung unvermeidlich ist. Die kritische Schwelle für eine Entscheidung sind zweifellos die heutigen Genfer Gespräche. Es stimmt jedoch auch, dass die Vereinigten Staaten den Iran in der Vergangenheit angegriffen haben, während die Verhandlungen noch liefen. Wenn Trump bisher also keinen Angriff auf den Iran angeordnet hat, dann gibt es offensichtlich andere Vorbehalte und Berechnungen", meint MILLIYET aus Istanbul. Die pan-arabische Zeitung AL QUDS AL-ARABY, die in London erscheint, hält fest: "Sollte es zu einer militärischen Konfrontation kommen, muss man sich auf eine komplexe Gewinn- und Verlustrechnung einstellen. Militärisch könnten die USA durch die Zerstörung von Atomanlagen oder Raketenkapazitäten kurzfristig zwar taktische Erfolge erzielen. Doch diese Erfolge wären nur von kurzer Dauer. Denn sie garantieren weder das Ende des Atomprogramms noch die Beseitigung der dahinterstehenden politischen Motive. Die Erfahrung zeigt, dass ein Angriff auf Infrastruktur die Ideologie des Regimes in Teheran nicht zwangsläufig untergräbt. Im Gegenteil, er kann ihr vielmehr neuen Schwung verschaffen. Zudem kann niemand garantieren, dass die Konfrontation begrenzt bleibt. Denn die Spirale möglicher Vergeltungsmaßnahmen ist schlichtweg unbeherrschbar", warnt AL QUDS AL-ARABY aus London. "Jeder Angriff birgt Risiken", unterstreicht das WALL STREET JOURNAL und führt aus: "Die Luftabwehr der USA ist zwar beeindruckend, doch Opfer sind nicht auszuschließen, wenn der Iran das Feuer erwidert. Aber es gibt auch Risiken, wenn jetzt nicht zugeschlagen wird. Das Regime in Teheran ist schwächer als jemals zuvor. Es steht unter extremem finanziellen und wirtschaftlichen Druck und befindet sich im Krieg mit seinem eigenen Volk. Ein Jahr zu warten, wie es einige in der Regierung empfehlen, würde dem Iran Zeit für den Wiederaufbau geben", gibt das WALL STREET JOURNAL aus New York zu bedenken. Viele Zeitungen kommentieren auch heute die Rede von US-Präsident Trump zur Lage der Nation. Die spanische Zeitung EL PAIS stellt fest: "Wie schon bei allen anderen öffentlichen Auftritten machte Trump auch seine Rede zur Lage der Nation zu einer langen, wirren und irreführenden Wahlkampfveranstaltung. Es fehlte ihm am Anstand und an der Würde, die man vom Präsidenten der USA vor dem Kongress erwartet. Mehr als eineinhalb Stunden lang verbreitete Trump leere Übertreibungen und heizte Kulturkriege nach dem Geschmack der extremen Rechten an. Er ignorierte das von ihm selbst verursachte Chaos im Handel, die kriminellen Exzesse seines Kreuzzugs gegen Einwanderer, seine orientierungslose Außenpolitik und die anhaltende wirtschaftliche Unzufriedenheit der Mittelschicht über die Lebenshaltungskosten, die seine Regierung nicht in den Griff bekommt. Eine inhaltsleere, hetzerische Rede", fasst EL PAIS aus Madrid zusammen. Trump sei vor Millionenpublikum der Star seiner eigenen "Unreality-Show" gewesen, schreibt die LOS ANGELES TIMES. "Tatsächlich kommt ein Präsident als Gast in das Kapitol, das Haus des Kongresses, und ist nur auf Einladung des Sprechers des Repräsentantenhauses dort. Das ist eine historische Anspielung auf die Gewaltenteilung, die für das Regierungssystem der Vereinigten Staaten so wichtig ist. Aber natürlich verhält sich Trump, als gehöre ihm der Ort. Und warum auch nicht? Die republikanischen Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat haben ihm im Wesentlichen die Schlüssel übergeben und damit einen Großteil ihrer verfassungsmäßigen Befugnisse über Ausgaben, Kriegsmacht und mehr", erinnert die L.A. TIMES aus den USA. "Deutlich wurde auch die düstere und dystopische Weltsicht des Präsidenten", merkt die dänische Zeitung POLITIKEN an. "Es war kaum die Rede von Allianzen, langjährigen Freunden oder Verbündeten in anderen Teilen der Welt. Das Bild, das Trump zeichnet, ist das von einem Land, das von Staaten und Menschen bedrängt wird, die die USA ausbeuten und zerstören wollen. Je öfter Trump dieses Narrativ wiederholt und danach handelt, desto einsamer und isolierter werden die USA. Die Rede vor dem Kongress war ein Versuch, Handlungsstärke zu suggerieren. Aber nüchtern betrachtet sieht das Bild anders aus: Ein verlogener Präsident ohne Kontakt zur Wirklichkeit steht einer Supermacht vor, die ihren moralischen Anker verloren hat und ihren eigenen Platz in der Welt nicht mehr findet", argumentiert POLITIKEN aus Kopenhagen. Die polnische Zeitung RZECZPOSPOLITA fragt sich, was Trumps Rede für Europa bedeutet: "Was die Außenpolitik betrifft, so widmete Trump nicht nur dem Iran mehr Aufmerksamkeit, sondern auch Venezuela, aus dem nach der militärischen Intervention der USA Öl in die Vereinigten Staaten fließt. Sollten wir darüber schockiert sein? Nein. Aber wir sollten unsere Schlussfolgerungen ziehen. Trump hat bereits in der Vergangenheit gesagt, Russlands Krieg gegen die Ukraine sei im Grunde ein europäisches Problem, da ihn ein Ozean von Russland trenne. Würden die Amerikaner Russland als direkte Bedrohung wahrnehmen, hätte Trump seine Rede vermutlich ganz anders formuliert und Russlands Präsident Putin daran erinnert, dass er über die größte Armee der Welt verfügt. Doch das ist nicht nötig, denn der durchschnittliche Amerikaner misst Russland nur eine geringe Bedeutung bei", betont die Zeitung RZECZPOSPOLITA aus Warschau. Zum Schluss noch zwei Stimmen zur Reise von Bundeskanzler Merz nach China. Die Zeitung LIANHE BAO aus Taiwan kommentiert: "Der deutsche Kanzler ist mit einer Delegation nach China gereist, deren Größenordnung fast die seiner Amtsvorgängerin erreicht. Aber Merz ist nicht Merkel. Er sieht die militärische Expansion Chinas in Ostasien äußerst kritisch. Nun isst er mit dem chinesischen Staatschef Xi zu Abend, unterschreibt Verträge und besucht den chinesischen Roboter-Hersteller Unitree. Die Reise wäre ihm möglicherweise erspart geblieben, wäre die deutsche Wirtschaft in einer anderen Verfassung. Deutschland kann es sich schlicht nicht leisten, sich von China loszulösen", erklärt LIANHE BAO aus Taipeh. Im Gastkommentar einer Politikwissenschaftlerin in der japanischen Zeitung NIHON KEIZAI SHIMBUN heißt es: "China bereitet Bundeskanzler Merz einen sehr freundlichen Empfang und versucht eifrig, ein Narrativ zu schaffen: Es gehe um die wirtschaftliche Kooperation der zweit- und drittgrößten Volkswirtschaften der Welt, die die Vereinten Nationen, den Multilateralismus, die Rechtstaatlichkeit und den Freihandel unterstützten. Während in Deutschland und Europa die Skepsis gegenüber den USA wächst, nutzt die Führung in Peking ihre Gelegenheit und versucht einen Keil in die transatlantischen Beziehungen zu treiben", liest man in NIHON KEIZAI SHIMBUN aus Tokio.