
merkur.de · Feb 26, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260226T133000Z
StartseitePolitikStand: 26.02.2026, 14:01 UhrKommentareUSA und Iran verhandeln in Genf. Eine der großen Fragen: Greift Donald Trump zum Militärschlag? CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter hat eine Vermutung.Berlin – Die USA und der Iran haben in Genf eine möglicherweise entscheidende Verhandlungsrunde begonnen: US-Präsident Donald Trump hat dem Regime in Teheran bereits ein Ultimatum gestellt – ein Militärschlag scheint möglich. Das sieht auch ein bekannter deutscher Außenpolitiker so. Er glaube, dass Trump „im Laufe des Jahres noch Maßnahmen ergreifen wird“, sagt der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter dem Münchner Merkur von Ippen.Media.. Eher skeptisch ist er indes mit Blick auf einen möglichen „Enthauptungsschlag“ gegen das Mullah-Regime.Donald Trump könnte über die nahe Zukunft des Mullah-Regimes im Iran mitentscheiden – Roderich Kiesewetter (eingeklinkt) rechnet mit „Maßnahmen“. © Kenny Holston/picture alliance/dpa/Pool The New York Times/Florian Naumann„Ein Militärschlag wäre nicht nötig, wenn es den Amerikanern in den Verhandlungen gelingen würde, drei Ergebnisse zu erzielen“, erklärte Kiesewetter unserer Redaktion bei einem Interview in Berlin: „Erstens, der Iran müsste das Existenzrecht Israels anerkennen. Zweitens, die ballistischen Waffen müssten unter Kontrolle gestellt werden. Drittens: Der Iran müsste auf eine Entwicklung nuklearer Waffen verzichten.“ Allerdings seien alle drei Ergebnisse „hochunwahrscheinlich“.US-Militärschlag im Iran: „Hilfe“ gegen Mullah-Regime – oder „katastrophal für Gesellschaft“?Eine Rolle könne auch Druck aus Israel spielen, urteilte der CDU-Politiker – „weil die Existenzrechtsfrage wirklich brennend ist“. Teheran will allerdings erklärtermaßen nur über sein Atomprogramm und die Aufhebung von Sanktionen sprechen. Vertreter des Mullah-Regimes hatten betont, man werde nicht „unter Druck und Einschüchterungen verhandeln“. Das US-Militär hat zuletzt zwei Flugzeugträger, dutzende Kampfjets, Flugabwehr und Militärflugzeuge zur Luftbetankung in die Region verlegt. Letztere werden etwa bei intensiven Bombardierungen benötigt.Eminent wichtig ist die weitere Entwicklung aber auch für die unmittelbare Zukunft der Menschen im Iran. Das Mullah-Regime hatte im Januar erneute Proteste mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Menschenrechtler gingen von mehr als 7.000 Todesopfern und über 50.000 Festnahmen aus. Trumps Maßnahmen könnten „einen Systemwechsel beschleunigen, wenn ein Enthauptungsschlag geführt wird“, sagte Kiesewetter. „Aber ich habe nicht den Eindruck, dass Trump dazu bereit ist“, fügte er hinzu.Zu den erklärten Befürwortern eines Schlages gegen das Regime zählt Reza Pahlavi. Der Sohn des letzten Schahs drängte zuletzt in die Rolle als Kopf der iranischen Exil-Opposition – und reiste unter anderem zur Münchner Sicherheitskonferenz. Er ersuchte Trump explizit um „Hilfe“.Kritisch äußerte sich der im Iran geborene Nahost-Experte Ahmad Moradi im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Ein US-Militärschlag gegen den Iran sei im ersten Schritt „wahrscheinlich katastrophal für die iranische Gesellschaft“, urteilte er. Zugleich sei es „schwer vorstellbar, dass ein begrenzter Schlag oder selbst die Eliminierung von Spitzenkräften allein das Regime zu Fall bringen würde.“ Viele Regime-Treue dürften das Überleben des Systems mit dem eigenen Überleben verknüpft sehen, warnte er. „In dieser Hinsicht unterscheiden sie sich etwa von Mitgliedern der Pro-Schah-Elite im Jahr 1979, von denen vielen nach der iranischen Revolution im Ausland untergekommen sind.“Pahlavi dringt auf US-Militäreingreifen im Iran – neues System „Sache des iranischen Volks“Offen scheint, wer vor Ort im Iran einen Umsturz anführen könnte. In der Exil-Opposition gibt es verschiedene, teils verfeindete Strömungen – wobei Pahlavi erfolgreich zu Großdemonstrationen in München, Los Angeles und Toronto aufrief. Pahlavis Forderung nach einem Militärschlag wecke falsche Erwartungen, statt die Kräfte des Widerstands vor Ort in die Verantwortung zu nehmen und zu stärken, warnte Javad Dabiran, deutscher Vertreter des Nationalen Widerstandsrats Iran (NWRI) im Gespräch mit unserer Redaktion. Er bezweifelt, dass Pahlavi über die nötigen Strukturen im Iran verfügt.Informationen aus dem Iran dringen nur schwerlich nach Europa. Berichten zufolge gab es aber zuletzt an der bekannten Scharif-Universität in Teheran wieder Proteste. Auf Videos des mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichneten „Amirkabir“-Kanals waren Menschenmassen auf dem Campus zu sehen und in einem Clip auch „lang lebe der Schah“-Rufe zu hören – eine Anspielung auf Pahlavi. Die mit dem NWRI assoziierten Volksmodschahedin meldeten zuletzt „heftige Zusammenstöße“ mit den Revolutionsgarden, das Regime wies dies zurück. Verifizierbare Informationen gab es nicht. Die Volksmodschahedin galten bis zu einem Urteil des EuGH 2009 als Terrorgruppe, der NRWI tritt mit einem 10-Punkte-Programm für einen demokratischen Wandel ein.Dasselbe hat sich Pahlavi auf die Fahnen geschrieben. Kiesewetter sieht ihn indes als eine „Chance für das iranische Volk, den Systemwechsel einzuleiten“. Der Außenexperte hatte zuletzt per Videocall mit Pahlavi gesprochen – dieser sehe sich als „Mann des Übergangs“, sagte Kiesewetter nun unserer Redaktion. „In der Politik ist es sehr schwer, über Redlichkeit zu sprechen, aber ich nehme ihm das ab – weil er sehr viele Hoffnungen auf sich vereint und, wie ich glaube, mit diesen Hoffnungen auch umgehen kann.“Pahlavi hatte vor Journalisten in München auch eine „konstitutionelle Monarchie“ nicht ausgeschlossen. Diese würde für ihn und seiner Familie wohl eine dauerhafte politische Rolle bedeuten. Kiesewetter betonte: „Es ist Sache des iranischen Volkes, welche Verfassung es sich gibt.“ Er baue darauf, dass Pahlavi „unterscheiden kann, was er selbst beeinflussen kann und was er besser der Bevölkerung überlässt“. (Quellen: Gespräch mit Roderich Kiesewetter, AFP, dpa, Ahmad Moradi)