
az-online.de · Feb 26, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260226T101500Z
az-online.dePolitikStand: 26.02.2026, 09:55 UhrKommentareWohin steuert die SPD im Superwahljahr? Umfragen in den Bundesländern verheißen nichts Gutes. Entsprechend groß sind Sorgen und Ängste.Berlin – Die SPD steht vor einer Bewährungsprobe auf mehreren Fronten gleichzeitig. Nach dem historischen Bundestagswahl-Desaster und den Querelen in der Regierungskoalition kämpft die Partei nun darum, nicht weiter an Bedeutung zu verlieren. Fünf Landtagswahlen stehen in diesem Jahr an, und in allen drohen Klatschen. Es geht die Angst vor einem Horror-Jahr um.Die SPD steht vor schwierigen Landtagswahlen (Archivbild). © picture alliance/dpa | Kay NietfeldEs scheint, als setzte sich der Negativtrend nach dem historischen Debakel bei der Bundestagswahl 2025 fort. Mit 16,4 Prozent der Stimmen, noch einmal fast zehn Prozent weniger als 2021, fuhr die SPD ihr schlechtestes Ergebnis überhaupt ein. Die Union siegte klar, die AfD zog an den Sozialdemokraten vorbei. Gerade noch konnten sie sich in eine große Koalition retten.Landtagswahlen könnten Horror-Jahr für SPD besiegelnDoch auch in der Regierung läuft es mehr schlecht als recht. Immer wieder gibt es Streit, etwa bei Innenminister Alexander Dobrindts Verschärfung der Migrationspolitik, beim Thema Steuern und Haushalt, der Bürgergeld-Reform, oder dem Wehrdienst. Die Einigung zur neuen Wehrpflicht platzte sogar im ersten Anlauf.Die dicke Luft entlud sich Ende Januar, nachdem die Parteilinke Annika Klose im Bundestag die Abschaffung des Bürgergeldes als „Bullshit“ bezeichnet hatte. Daraufhin polterte ihre Kollegin Claudia Moll in einer Fraktionssitzung: „Was denkst du dir dabei? Wie sieht unsere Partei da aus, wenn du so über einen von unseren Gesetzentwürfen sprichst?“ Scharf kritisiert wurde auch SPD-General Tim Klüssendorf, der bei „Markus Lanz“ bei Zahlen zu Staatsausgaben für Soziales völlig blank war.SPD droht in Rheinland-Pfalz erstmals nach 35 Jahren AbwahlObendrein hat die SPD fünf Landtagswahlen zu meistern, wo Umfragen nichts Gutes verheißen. Den Auftakt macht bereits am 8. März Baden-Württemberg. Im Südwesten könnten sich die Sozialdemokraten weiter verschlechtern. 2021 holten sie elf Prozent der Stimmen. Im Median aller Umfragen der vergangenen sechs Monate liegt die SPD nur bei zehn Prozent, wie das Handelsblatt ermittelte. Unterdessen holt Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir gegenüber der CDU auf.In Rheinland-Pfalz ist die Lage nicht so schlimm, allerdings droht die SPD in der einstigen Bastion die Macht zu verlieren. Neuesten Umfragen zufolge liefern sich Ministerpräsident Alexander Schweitzer und sein CDU-Herausforderer Gordon Schnieder. Sollte die Opposition die Landtagswahlen gewinnen, könnte erstmals seit 35 Jahren die SPD abgewählt werden.Sozialdemokraten könnten in Sachsen-Anhalt aus dem Landtag fliegenÄhnlich ist die Situation in Mecklenburg-Vorpommern, wo Manuela Schwesig eine rot-rote Koalition anführt. 2021 noch kam die SPD auf fast 40 Prozent der Stimmen, auf diesen Wert kommt einer Umfrage des Instituts Insa zufolge inzwischen fast die AfD (37). Die Sozialdemokraten liegen in der Erhebung von Mitte Februar bei 23 Prozent.Während die SPD bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus darauf hoffen kann, gerade so mit Grünen und Linken eine Mehrheit zu erreichen, droht sie in Sachsen-Anhalt, wo die AfD die absolute Mehrheit erreichen könnte, aus dem Landtag zu fliegen. Ein SPD-Bundestagsabgeordneter, der offenbar anonym bleiben wollte, formulierte es gegenüber der Bild treffend: „Die Lage ist sehr ernst.“ Die Vermutung des Politikwissenschaftlers Fritz W. Scharpf könnte sich bestätigen, der im vergangenen Jahr sagte, dass die SPD „wömoglich ein Auslaufmodell“ ist. (Quellen: Handelsblatt, dawum.de, eigene Recherche)