
ln-online.de · Feb 19, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260219T003000Z
Irans Regime unter DruckIm Westen hat man die Dimension des Regimes im Iran lange unterschätzt, meint Israels Botschafter Ron Prosor. Nun steht das Land an einem Scheideweg. Das Regime aber fällt nicht von allein. Es braucht Entschlossenheit – auch von Europa.Ein Gastbeitrag von Israels Botschafter Ron Prosor19.02.2026, 00:00 UhrWäre es nicht so makaber, müsste man dem iranischen Mullah-Regime fast Respekt zollen. Für seine Chuzpe. Seit Wochen verhandeln sie mit US-Präsident Donald Trump. Dabei wissen sie genau: Sie haben nichts anzubieten. Keine Bewegung beim Atomprogramm. Kein Ende der Unterstützung von Terrorgruppen. Kein Stopp der brutalen Unterdrückung im eigenen Land.Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der AnzeigeSie wollen keine Kompromisse. Und sie können keine schließen. Denn für sie wäre das ein Verrat an Gott.Das ist Ron ProsorRon Prosor ist seit 2022 israelischer Botschafter in Deutschland. Der 67-Jährige arbeitete viele Jahre in Diensten des israelischen Außenministeriums, unter anderem als Generaldirektor. Der Diplomat war von 2007 bis 2011 Botschafter Israels in Großbritannien und von 2011 bis 2015 ständiger Vertreter seines Landes bei den Vereinten Nationen. Prosors Vater Uri wurde in Berlin geboren und zog mit der Familie im Jahr 1933 ins heutige Israel.Das eigentliche Staatsoberhaupt im Iran ist nicht der Präsident. Es ist Muhammad al-Mahdī, der zwölfte Imam. Eine Figur, die nach schiitischem Glauben seit dem Mittelalter im Verborgenen lebt und am Ende der Tage zurückkehrt. Ali Khamenei, der „Oberste Führer“, sieht sich als Wegbereiter dieser Rückkehr. Auch die Iranischen Revolutionsgarden berufen sich auf diesen Mahdī-Kult, wenn sie Demonstranten erschießen und tausende Menschen einsperren.Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der AnzeigePräsident Pezeshkian ist nicht der EntscheiderIm Westen hat man diese fanatische Dimension des Regimes lange unterschätzt. Doch wenn Khamenei sagt, Gott spreche durch ihn, dann ist das kein religiöses Beiwerk. Es ist ein politisches Programm.Die Machtverhältnisse sind klar. Präsident Massoud Pezeshkian ist nicht der Entscheider. Er ist der Kellner. Gekocht wird in der Küche des Obersten Führers. Und serviert wird nur, was vorher abgesegnet wurde.Wenn Teheran verhandelt, dann nicht aus Einsicht. Sondern um Zeit zu gewinnen. Um zu täuschen. Um zu spalten. Das Atomabkommen von 2015, der Joint Comprehensive Plan of Action, sollte das Atomprogramm einfrieren. Stattdessen nutzte das Regime die Aufhebung von Sanktionen für Aufrüstung. Für Raketen. Für Terror-Proxies in der Region.Hier liegt das Missverständnis. Die Methoden des Regimes wirken rational. Die Ziele sind es nicht.Wenn Teheran verhandelt, dann nicht aus Einsicht. Sondern um Zeit zu gewinnen. Um zu täuschen. Um zu spaltenRon ProsorWeiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der AnzeigeIran: Wenn der Druck steigt, wächst ihr FanatismusDas Atomprogramm verschlingt Unsummen. Schätzungen sprechen von bis zu 500 Milliarden Dollar. Und keine einzige Kilowattstunde Strom wurde produziert. Der Iran hat Öl. Er hat Gas. Er könnte in erneuerbare Energien investieren. Doch die Mullahs setzen auf Urananreicherung. Sie greifen nach der Bombe.Wenn der Druck steigt, wächst ihr Fanatismus. Im grausamen Ersten Golfkrieg hätten sie einen vorteilhaften Frieden mit dem Irak schließen können. Sie lehnten ab. Stattdessen schickten sie Kinder in Minenfelder. Jungen aus armen Familien. Mit grünen Plastikschlüsseln um den Hals. Der Schlüssel zum Paradies, so versprach man ihnen. Viele kamen nie zurück.Auch heute setzt das Regime auf Eskalation. Es fürchtet nichts mehr als eine geschlossene Antwort des Westens. Darum lautet die Strategie: Teile und herrsche.Den USA droht man mit Angriffen auf ihre Militärbasen und ihre Verbündeten wie Saudi-Arabien und die Golfstaaten. Man erinnert an die Traumata des Irakkriegs. Europa malt man einen Flächenbrand im Nahen Osten aus. Mit neuen Flüchtlingswellen. Dem Rest der Welt droht man mit einer Blockade der Straße von Hormus. Öl und Gas als Waffe.Terrorgruppen wie die Hisbollah im Libanon oder die Huthi-Bewegung im Jemen werden als regionale Probleme dargestellt. Oder als rein israelische Angelegenheit. Doch das ist eine Illusion. Der Machtanspruch Teherans endet nicht in Jerusalem. Und wer glaubt, eine iranische Atombombe richte sich nur gegen Israel, der irrt.Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der AnzeigeDer Iran am ScheidewegIranische Shahed-Drohnen, von Russland im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt, verletzten sogar den Luftraum des Nato-Staates Polen. Europäische Schiffe im Roten Meer wurden mit Raketen angegriffen. Das Regime testet Grenzen und überschreitet rote Linien.Der Iran steht an einem Scheideweg. Das Regime ist verwundbar. Aber es fällt nicht von allein. Es braucht Entschlossenheit. Von außen und von innen.Die Menschen im Iran kämpfen für Freiheit. Sie zahlen einen hohen Preis. Zehntausende wurden getötet oder verhaftet. Ihr Mut darf nicht ins Leere laufen. Der Westen muss klar sagen: keine Normalisierung. Keine Geschäfte wie bisher. Dieses Regime darf keine Zukunft haben.Schweigen wäre fatal. Es wäre ein Signal nach Teheran: Die Welt schaut weg. Und sie wird weiter wegschauen. Das wäre auch ein verheerendes Zeichen für Kurden, Drusen, Jesiden und andere Minderheiten in der Region.Weiterlesen nach der AnzeigeWeiterlesen nach der AnzeigeMehr zum ThemaDie Entscheidung Europas, die Revolutionsgarden auf die Terrorliste zu setzen, kam zwar spät, war aber richtig. Doch sie reicht nicht. Europa und die USA müssen trotz aller Differenzen gerade jetzt eng zusammenarbeiten. Wenn amerikanischer militärischer Druck und europäischer politischer Druck zusammenwirken, gerät das Regime ins Wanken.Zwei Schritte sind entscheidend. Erstens: Sanktionen konsequent durchsetzen. Ohne Schlupflöcher. Zweitens: Handelspartner des Irans klar warnen. Wer Geschäfte mit diesem Regime macht, trägt Mitverantwortung. Die Instrumente liegen bereit. Jetzt ist die Zeit zu handeln.