
wa.de · Feb 27, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260227T163000Z
wa.dePolitikStand: 27.02.2026, 16:46 UhrKommentareTrotz vieler Affären und Eskapaden scheint die Loyalität der ehemaligen US-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten zu Ehemann Bill unermesslichNew York – Es gibt Frauen, für die ein Seitensprung des Gatten zwangsläufig zur Trennung führt. Es gibt Frauen, die dem untreuen Ehemann eine zweite Chance geben, manchmal eine dritte, selten auch eine vierte. Und dann gibt es Frauen wie Hillary Rodham Clinton.Schon immer verlässlicher Rückhalt für ihren Mann Bill: Ex-US-Außenministerin Hillary Clinton. © David Dee Delgado/AFPAls die 78-Jährige am Donnerstag vor dem Aufsichtsausschuss des US-Kongresses hinter verschlossenen Türen ihre Aussage zum Skandal des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein macht, steht sie wie schon in den vergangenen 51 Jahren ihrer Ehe mit Bill Clinton fest an der Seite ihres Mannes. In den Epstein Files gibt es unzählige Fotos des demokratischen Ex-Präsidenten: mal im Whirlpool mit einer Frau liegend, mal mit einer jungen Blondine auf dem Schoß und immer wieder mit Epstein selbst. Der Verdacht, dass Clinton im Epstein-Fall wie viele andere eine unrühmliche Rolle einnimmt, liegt zumindest nahe – erst recht mit Blick auf seine sexuell illustre Vergangenheit.Gut gelaunt im Glitzerhemd: Dieses undatierte Foto von Bill Clinton (links) und Jeffrey Epstein veröffentlichte das US-Justizministerium im Dezember 2025. © Handout/AFPDoch als Hillary Clinton nach der sechsstündigen Anhörung, die eher einem Kreuzverhör geglichen haben soll, von Journalisten gefragt wird, ob sie sicher sei, dass ihr Mann nichts über Epsteins Verbrechen wisse, sagt sie: „Das bin ich“. Sie betont, dass Bill Clintons Verbindung zu Epstein geendet habe, mehrere Jahre bevor irgendetwas zu dessen Verbrechen bekanntgeworden sei. Damit zeigt die demokratische Präsidentschaftskandidatin von 2016 erneut jene öffentliche Loyalität zu ihrem Mann, die einige US-Amerikaner beeindruckt, viele aber auch irritiert. Denn die Liste der außerehelichen Verfehlungen von Bill Clinton ist lang.Bereits 1992 war der damals 45-Jährige in seinem Vorwahlkampf als Präsidentschaftskandidat fast über die offenbar langjährige Affäre mit einer Nachtklubsängerin gestürzt: Gennifer Flowers gab öffentlich bekannt, eine mehr als zwölfjährige sexuelle Beziehung mit Clinton zu haben. Dieser dementierte zunächst, doch gab die Affäre 1998 unter Eid stehend zu. Bereits hier zeigte Hillary Clinton eine bemerkenswerte Reaktion: Sie erklärte in einem TV-Auftritt, warum sie weiter zu ihrem Bill stehe. „Ich sitze hier, weil ich ihn liebe, ihn respektiere und das achte was er durchgemacht hat und was wir gemeinsam durchgemacht haben“, sagte sie damals. Gleichzeitig wurde von Seite des Ehepaars Clinton versucht, Gennifer Flowers öffentlich zu diskreditieren. In der Kombination mit Hillarys Loyalität war der Weg für Bill ins Präsidentenamt plötzlich wieder frei.Hillary Clinton erklomm die politische KarriereleiterWährend seiner ersten Amtszeit (1993-1997) kam es zu weiteren Vorwürfen gegen Bill Clinton. 1994 reichte die damals 27-jährige Mitarbeiterin Clintons, Paula Jones, Klage wegen sexueller Belästigung ein. Clinton soll sie 1991, als sie während seiner Zeit als Gouverneur von Arkansas in seinem Stab gearbeitet hatte, zum Oralverkehr gedrängt haben. Auch hier wurde durch Clintons Anwälte versucht, die Glaubwürdigkeit von Jones zu erschüttern, indem Gerüchte über ihre angebliche Promiskuität gestreut wurden. Der Rechtsstreit zog sich so über Jahre hin. Im April 1998 wies das Gericht die Klage ab mit der Begründung, dass Jones kein Schaden entstanden sei, auch wenn sie „vielleicht nicht ganz anständig behandelt worden sei“. Um weiteren Streit vor Gericht zu vermeiden, zahlte Clinton 850 000 Dollar.Zu diesem Zeitpunkt waberte bereits die Lewinsky-Affäre durch die Medien. Im Januar 1998 erklärte Clinton im Weißen Haus, er habe niemals eine sexuelle Beziehung zu der damals 22-jährigen Praktikantin Monica Lewinsky gehabt. Hillary Clinton sprang ihm zur Seite und sprach von einer „großen rechten Verschwörung“ gegen ihren Ehemann. Bill Clinton wurde im Juli 1998 der Lüge überführt, als Lewinsky den Ermittlern ein mit Clintons Sperma beflecktes Kleid übergab. Der Lewinsky-Fall ging als einer der größten Sexskandale der US-Politik in die Geschichte ein. Das gegen Clinton eingeleitete Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) scheiterte zwar, doch hatte sein Ruf endgültig massiv Schaden genommen.Dafür erklomm Hillary nun die politische Karriereleiter, wobei ihr ihre Rolle als mehrfach betrogene, aber dennoch starke Ehefrau an der Seite ihres Mannes Bill geholfen haben dürfte. In ihrer ersten Präsidentschaftskampagne unterlag sie zwar 2008 ihrem Partei㈠freund Barack Obama, doch berief dieser sie während seiner ersten Amtszeit (2009-2012) als Außenministerin in sein Kabinett. Zur Präsidentschaftswahl 2016 trat die Demokratin dann selbst an, verlor aber entgegen aller Umfragen und Prognosen gegen ihren republikanischen Widersacher Donald Trump.Hillary Clinton ist für Präsident Donald Trump das Gesicht des so verhassten US-amerikanischen Establishments, dem er unterstellt, elitär und korrupt zu sein sowie die Medien zu kontrollieren. Trump dürfte es gefallen haben, dass die Clintons wegen der veröffentlichten „Epstein Files“ ins Kreuzverhör genommen wurden – auch, um von sich selbst abzulenken. Trumps Name taucht schließlich selbst tausendfach in den Akten auf. Die Hoffnung, dass Hillary ihrem Mann in den Rücken fällt, dürfte bei Trump nach der Vorgeschichte dieser Ehe wohl gering gewesen sein. Groß war aber wohl die Hoffnung, dem Ehepaar Clinton und somit auch den Demokraten weiteren Schaden zuzufügen.Inwieweit es Hillary gelungen ist, diesen wie in der Vergangenheit abzuwenden, wird sich erst noch zeigen müssen.Das bin ich.Deutsche Mittäter?Auch deutsche Sicherheitsbehörden prüfen Verbindungen möglicher deutscher Mittäter zu dem US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Das sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) dem „Tagesspiegel“: „Ich gehe fest davon aus, dass die zuständigen Stellen und Behörden sich die Dinge anschauen.“ Aktuell sei „die Situation noch sehr unübersichtlich“, sagte sie mit Blick auf mögliche deutsche Mittäter. Nach der Veröffentlichung der Epstein-Akten in den USA hatte sich der deutsche Regierungssprecher Stefan Kornelius zurückhaltend zu Ermittlungen in Deutschland geäußert, aber angekündigt, die Regierung werde die Entwicklung aufmerksam beobachten.