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Energiepolitik in der Sackgasse - SMR - Reaktoren : Deutschlands Chance für stabile Strompreise
cicero.de
Published about 2 hours ago

Energiepolitik in der Sackgasse - SMR - Reaktoren : Deutschlands Chance für stabile Strompreise

cicero.de · Mar 2, 2026 · Collected from GDELT

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Published: 20260302T141500Z

Full Article

Mit ihrer Initiative zur Neuordnung der Nutzung der Stromnetze zeigt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den mit hohen Preisen geschundenen deutschen Stromverbrauchern endlich ein Licht am Ende des Tunnels. Doch da taucht schon das sozialdemokratische Irrlicht auf: Carsten Schneider kennt die Feinde der Energiewende – die weltweit boomenden SMR-Kraftwerke, die nun endlich auch von Katherina Reiche als Lösung der völlig aus den finanziellen Fugen geratenen Energiewende in Betracht gezogen werden. Reflexartig übernimmt Umweltminister Schneider die nukleare Panikattacke des BUND-Vorsitzenden Olaf Brandt gegen die SMR-Technologie. Dessen Argumentation im Tagesspiegel lässt keines der traditionellen Pauschalargumente deutscher Atomkraftgegner aus: zu teuer, zu gefährlich, zu viel radioaktiver Abfall.Die SMR-Projekte und -Pläne von 14 europäischen Ländern bezeichnet er schlicht als Mysterium. Und das gerade in der Woche, in der die polnische Clean Air Taskforce die Roadmap zum Bau einer ganzen Flotte von SMR-Kraftwerken in Polen veröffentlicht und die Vattenfall-Chefin Anna Borg den Bau von fünf SMR-Reaktoren in Schweden ankündigt – und zwar in beiden Fällen mit der Zielsetzung, die Strompreise zu stabilisieren und Dekarbonisierung voranzutreiben. Es gehört schon eine ganze Menge Überheblichkeit dazu, die Entscheidungen unserer europäischen Nachbarn als Mysterium zu bezeichnen. Aber es zeigt auch, dass den Profiteuren der Energiewende langsam klar wird, dass die Zeit, in der für die Branche der Erneuerbaren Milch und Honig fließen, sich dem Ende zuneigt. Da kann schon Panik aufkommen.Systemkosten der EnergiewendeKlaus Stratmann vom Handelsblatt hat die Energiewende zu Recht als Lebenslüge der Erneuerbaren Energiebranche bezeichnet, denn die von der Energiewende ausgelösten Systemkosten werden schlicht ignoriert. Mit Unterstützung aus allen politischen Lagern ist um die Branche ein Wall entstanden, der sie vor der Realität schützt. Der VKU (Verband Kommunaler Unternehmen) hat den Kern dieser Lebenslüge auf den Punkt gebracht: Am Ende zählt nicht, wie viele Gigawatt Erneuerbare installiert sind – sondern zu welchem Preis der Strom tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt. Und diese Rechnung ist für die Erneuerbaren Energien tief dunkelrot. Lesen Sie auch Der 2009 aufgelegte Netzausbauplan für die Integration der vielen dezentralen Erneuerbaren Erzeugungsanlagen hat bis heute annähernd 600 Milliarden Euro verschlungen. Hätten die Erzeuger erneuerbaren Energien die Systemkosten für den Transport ihres fluktuierenden Stroms zur Steckdose des Verbrauchers zahlen müssen, wäre in Deutschland keine einzige Anlage gebaut worden – außer der Erzeuger hätte den Strom ohne Netzanschluss selbst genutzt.Kritik der EnergieversorgerUnterstützung für ein Ende der Energiewende kommt ausgerechnet von den Energieversorgern, die im letzten Jahrzehnt mehr oder weniger kritiklos die politischen Wunschträume der Energiewende umsetzten. Der RWE-Chef Markus Krebber sprach bereits im letzten Jahr vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf von „Mitnahmeeffekten“ und hält eine Fortsetzung der EEG-Förderung für unnötig und sozial ungerecht: „Durch die Solaranlagen werden Netzausbaukosten ausgelöst, für die dann nicht der Verursacher bezahlt, sondern die Allgemeinheit, die sich kein Solardach leisten kann“, so Krebber. Lesen Sie auch Auch der E.ON-Chef Leonard Birnbaum hat bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz ein Auslaufen der Subventionen für private Solaranlagen gefordert: „Warum werden Kapazitäten, die wir nicht brauchen, noch gefördert? Warum werden Speicher pauschal von Netzentgelten befreit, obwohl viele die Netze gar nicht entlasten und die Kosten für die Kunden erhöhen?“Internationale Perspektive und Potenzial der SMRUm vom Milliardengrab Energiewende abzulenken, spricht Umweltminister Schneider jetzt davon, dass neue SMR-Kernkraftwerke teuer subventioniert werden müssten. Woher er diese Erkenntnis nimmt, verrät er allerdings nicht. Tatsache ist, dass derzeit SMR-Projekte in erster Linie von Verbrauchern wie der Industrie und Rechenzentren vorangetrieben werden.Eine im November 2025 veröffentlichte Studie des amerikanisch-britischen Klimapolitik- und Energie-Thinktanks Lucid Catalyst analysiert das Potenzial zur Energieversorgung der Industrie in Nordamerika und Europa durch SMR. In der Studie wurden zehn Industrien betrachtet, die zusammen rund 80 Prozent des elektrischen und thermischen industriellen Energiebedarfs der beiden Regionen von 17.000 TWh in 2050 repräsentieren. Von diesen werden 15.000 TWh – das ist etwa der 30-fache Stromverbrauch von Deutschland – als für SMR zugänglicher Markt betrachtet.Liest man die Liste der untersuchten Industrien, so sind dies einige, die derzeit auch – noch – in Deutschland ihre Heimat haben: Rechenzentren, Chemie, Eisen und Stahl, Fernwärme sowie Lebensmittel und Getränke. Hinzu kommen neue Geschäftsfelder wie der Ersatz von Kohlekraftwerken und die Produktion von synthetischen Treibstoffen. Die Rechenzentren bieten mit einem Bedarf von 75 Gigawatt installierter Leistung wie erwartet das größte Potenzial für SMR.Vorteile und Zukunft der SMR in DeutschlandDie Studie von Lucid Catalyst zeigt einen ambitionierten, aber angesichts des technischen Gesamtpotentials nicht unrealistischen, steilen Entwicklungspfad für die SMR-Technologie auf und geht von einem dreistufigen Entwicklungspfad aus. In der dritten Stufe würde die industrieweite fabrikmäßige SMR-Massenfertigung erreicht – bei Stromgestehungskosten, die von 70 Dollar auf 40 Dollar pro Megawattstunde sinken. Im Vergleich hierzu liegen die Preise pro Megawattstunde bei Gaskraftwerken, in erster Linie aufgrund der volatilen Gaspreise, zwischen 110 und 180 Euro.Für Europa böte die Industrieenergieversorgung durch SMR die Chance, sowohl die Ziele Wettbewerbsfähigkeit und Energieunabhängigkeit als auch die Klimaschutzziele zu erreichen. Die von Herrn Schneider erwähnten erforderlichen staatlichen Subventionen sucht man in der Studie übrigens vergeblich. Lesen Sie auch Hier ein kurzer Überblick über die wesentlichen Merkmale der SMR:die inhärente Sicherheit – das heißt, die Reaktoren sind aufgrund ihrer Physik und Geometrie in der Lage, sich komplett autark herunterzufahren und die Nachwärme ohne aktive Kühlung abzuführen;die kleineren Leistungen zwischen 300 und 700 Megawatt, die besser zum heutigen Strommarkt-Design passen;die industrielle Fertigung nach dem Prinzip der Luftfahrtindustrie. Dafür ist es essenziell, dass die Länder, die SMR einsetzen wollen, sich auf weitgehend vereinheitlichte Regeln und Sicherheitsstandards einigen. In der EU wurde dieser Prozess bereits durch die European Industrial Alliance on SMR im Jahr 2023 gestartet. Die Alliance hat mittlerweile über 400 Mitglieder.Besonders erwähnenswert sind noch weitere Eigenschaften der SMR:Einige sind aufgrund ihrer hohen Kernaustrittstemperaturen neben der Stromerzeugung auch für die Auskopplung von Prozessdampf oder Prozesswärme für ein breites Feld industrieller Anwendungen geeignet.In den Dual-Fluid- und Molten-Salt-SMR kann aufbereiteter Atommüll eingesetzt werden, zum Beispiel aus den in den Castoren eingelagerten Brennelementen, die noch 96 Prozent Uran enthalten. Die Menge des hochradioaktiven Abfalls, der endzulagern wäre, könnte damit drastisch reduziert werden.Deutschland hat sich in eine Sackgasse namens Energiewende verirrtAll die genannten Merkmale sind international anerkannt. Allein das Bundesamt für Sicherheit und Endlagerung ignoriert diese Merkmale und kommt zu einer singulären deutschen Bewertung der SMR-Technologie, die im krassen Gegensatz zur internationalen Bewertung steht.Deutschland hat sich seit Ende der Neunzigerjahre sukzessive energiepolitisch vom Rest der Welt abgekoppelt und in eine Sackgasse namens Energiewende verirrt. Damit ist weder dem Klima gedient noch dem Wohlergehen des Landes. Leider gab es in der deutschen Geschichte schon öfter solche von einer ideologischen Überlegenheit getragenen Alleingänge. Lesen Sie auch Durch eine Minderheit initiiert, von einer Mehrheit zuerst ignoriert, dann geduldet und letztendlich mitgetragen. Es scheint, dass diese Entwicklung eine typisch deutsche Eigenschaft ist, die schon oft genug zur Katastrophe geführt hat. Um das in der Energieversorgung zu vermeiden, ist das von Bundesministerin Katherina Reiche geplante Netzpaket und die Erwägung des Baus von SMR-Kraftwerken in Deutschland ein erster Schritt in die richtige Richtung.Herrn Carsten Schneider möchte ich noch Folgendes zu bedenken geben: Die meisten Kernkraftwerke der Bundesrepublik, 18 an der Zahl, wurden von 1969 bis 1982 unter SPD-geführten Regierungen gebaut. Damals erreichte die SPD bei Bundestagswahlen noch über 40 Prozent. Mit dem Antiatom-Kurs der SPD sanken die Zustimmungswerte der SPD rapide. Laut den aktuellen Wahlumfragen kommt die SPD heute gerade mal auf 15 Prozent.


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