
braunschweiger-zeitung.de · Feb 17, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260217T150000Z
Ohne Anzeichen auf einen belastbaren Kompromiss gingen die USA und der Iran am Dienstag in Genf in weitere Gespräche, um ihren langjährigen Atomstreit zu befrieden. Während die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner, Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, sich mit Teherans Delegation unter Außenminister Abbas Araghtschi an den Tisch setzten, mehrten sich die Indizien für einen Militärschlag der USA auf das Mullah-Regime, für den Fall, dass die Verhandlungen in der Schweiz für gescheitert erklärt werden sollten. Witkoff und Kushner hatten das Zustandekommen eines Deals zwischenzeitlich als „sehr schwierig bis unmöglich“ bezeichnet. Mehr zum Fall Epstein Grund dafür ist dem Vernehmen nach, dass der Iran zwar bereit ist, unter Auflagen (Sanktionsrücknahme) über sein Atomprogramm zu verhandeln, nicht aber darüber, was Israels Premierminister Benjamin Netanjahu für unabdingbar hält: die Reduzierung des ballistischen Raketenbestands des Iran. Und die finanzielle Trockenlegung von Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah. USA verlegen zweiten Flugzeugträger in den Nahen OstenSollte Teheran nicht einlenken, stehen die Zeichen auf Eskalation. Indiz: Trump hat Netanjahu intern signalisiert, dass er israelische Angriffe auf das iranische Raketenprogramm unterstützen und militärisch flankieren würde (Luftbetankung für israelische Flugzeuge etc.), wenn keine Einigung zwischen Washington und Teheran erzielt werden kann. Das berichten US-Medien wie der Sender CBS. Das Weiße Haus hat bislang nicht dementiert. Auch der US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford, hier beim Start einer Boeing F/A-18E/F Super Hornet, ist in den Nahen Osten abkommandiert worden. Trump will damit den Druck auf Teheran erhöhen. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini Trump sagte am Montag an Bord der Air Force One, er werde „indirekt“ an den Gesprächen in Genf beteiligt sein. Er betonte, dass der Iran ein Abkommen schließen wolle, da er die Folgen eines Scheiterns nicht in Kauf nehmen wolle. Anrainer fürchten Vergeltung und FlächenbrandUm die Drohkulisse zu verstärken, haben die USA nach der USS Abraham Lincoln mit der USS Gerald R. Ford einen zweiten Flugzeugträgerverband samt Kriegsschiffen in den Nahen Osten verlegt, wodurch spätestens Mitte März eine massive Feuerkraft in Reichweite des Iran zur Verfügung stehen würde. Trump spielt mit der Option. Er bevorzuge zwar eine diplomatische Lösung, sagte der 79-Jährige gegenüber Reportern, aber wenn es keinen Deal gebe, „müssen wir einfach abwarten, wie das Ergebnis aussehen wird“. Irans Außenminister Araghtschi erklärte in sozialen Medien, er sei in Genf, „um mit konkreten Ideen für eine faire und gerechte Einigung zu kommen“. Was für ihn nicht zur Debatte stehe: „Unterwerfung vor Drohungen“. In der Region haben die Äußerungen des US-Präsidenten die latente Alarmbereitschaft weiter verschärft. Etliche Anrainerstaaten des Iran befürchten, dass ein möglicher amerikanischer Angriff und iranische Vergeltungsmaßnahmen, die Israel mit hineinziehen würden, den gesamten Nahen Osten destabilisieren und die Verbündeten der USA in der arabischen Welt, die Tausende amerikanische Soldaten beherbergen, akut gefährden könnten. Macht weiter massiven Druck auf Teheran: US-Präsident Donald Trump am Montag an Bord der Air Force One vor Reportern. © Matt Rourke/AP/dpa | Matt Rourke Dazu passt, dass die Islamische Revolutionsgarde – ein mächtiger Zweig der iranischen Streitkräfte – Kriegsspiele der Marine in der für die Öl-Exportrouten der internationalen Seeschifffahrt wichtigen Straße von Hormus durchführt. Eine Geste, die Stärke und Widerstandsgeist demonstrieren soll. Dahinter steht die Drohung Teherans, im Falle eines Falles die Straße von Hormus zu blockieren, was die Weltwirtschaft schnell einem Stresstest unterziehen würde. Tarnkappenbomber zielte auf drei AtomstandorteDennoch steht die iranische Regierung nach Einschätzung von Analysten in Washington wie im Nahen Osten unter erheblichem Druck, einem von den USA diktierten Abkommen zuzustimmen. Die iranische Wirtschaft leidet stark unter lähmenden internationalen Sanktionen, die zur jüngsten Welle von Protesten gegen die autoritäre Regierung des Landes beigetragen haben. Irans ballistische Raketen sind Israel wie den USA ein Dorn im Auge. Ihr Abbau soll Teil des Verhandlungspakets werden. Teheran sagt bisher: Nein. © AFP | - 2025 versuchten US-amerikanische und iranische Regierungsvertreter, einen „Deal“ über das iranische Atomprogramm auszuhandeln, der die Sanktionen im Austausch für ein Ende der iranischen Uran-Anreicherung beenden sollte. Die Gespräche blieben erfolglos. Stattdessen startete Israel eine Militäraktion gegen das iranische Atomprogramm, die zu einem zwölftägigen Krieg zwischen den beiden Ländern führte. Später schlossen sich US-Tarnkappenbomber dem israelischen Angriff an und griffen drei iranische Nuklearstandorte an. Trump erklärte damals zunächst, dass die US-Bombardements das iranische Atomprogramm komplett ausgelöscht hätten. Später stellte der amerikanische Geheimdienst CIA fest, dass das Programm schwer beschädigt, aber nicht völlig zerstört sei. „Ausgang der Krise ist unvorhersehbar“Heute geht Trump davon aus, dass der Iran die Möglichkeit einer friedlichen Verständigung über das Atomprogramm nicht verstreichen lässt. Wie Pentagon-Insider US-Medien berichteten, bereitet sich das US-Militär auf die Option einer wochenlangen Operation gegen den Iran vor, sollte Trump einen Angriff tatsächlich befehlen. Wird er es tun? Die Revolutionsgarde hat am Montag demonstrativ Militärmanöver in der Straße von Hormus abgehalten. Im Falle eines US-Angriffs würde die Seestraße eine zentrale Rolle spielen. © AFP | - „Der Ausgang der Krise ist unvorhersehbar“, konstatiert ein Leitartikler im konservativen „Wall Street Journal“. „Donald Trump selbst weiß wahrscheinlich nicht, was er letztendlich tun wird.“ Gegenwärtig befinde sich der US-Präsident in einer günstigen Lage. „Er hat im Iran freie Hand und kann sich in jede Richtung bewegen. Er kann auf einen Regimewechsel drängen. Er kann einen schwachen Deal mit Teheran eingehen und den Sieg für sich beanspruchen. Er kann sich zurücklehnen, während Israel den Großteil der Arbeit übernimmt, wie er es im zwölftägigen Krieg im Juni getan hat, und am Ende einschreiten, um sich den Sieg anzurechnen. Er kann den Mullahs eine neue Chance geben.“ Oder auch nicht.