
kreisbote.de · Feb 26, 2026 · Collected from GDELT
Published: 20260226T181500Z
kreisbote-deLokalesKemptenStand: 26.02.2026, 17:43 UhrKommentareAuf dem Podium (v.l.): Oberbürgermeister Thomas Kiechle, Franz Josef Natterer-Babych, Noah Welch, Dominik Tartler, Katharina Schrader und Christian Schoch. © KrausDie Jugendkommission (JuKo) hat zu einer Podiumsdiskussion mit allen Kemptener OB-Kandidaten geladen, und stellte ihnen Fragen zu Umwelt, Bildung, Wohnraum und anderen.Kempten – Das Interesse war groß und das Künstlerhaus in Kempten bis auf den letzten Platz gefüllt, sogar über den Instagram-Livestream verfolgten zeitweise fast einhundert Zuschauer die Veranstaltung:Zum Einstieg bat Moderator Noah Welsch die Kandidaten in einer „Blitzlichtrunde“ um kurze Antworten: Warum sollten junge Menschen gerade Sie wählen? Der amtierende Oberbürgermeister Thomas Kiechle (CSU, FDP) betonte seine Erfahrung. In zwölf Jahren an der Stadtspitze habe man gemeinsam viel erreicht und Perspektiven geschaffen. Er habe „noch viel Freude, Spaß und viele gute Ideen.“ Franz Josef Natterer-Babych (ÖDP) erzählte, dass er als Lehrer täglich mit jungen Menschen zu tun habe. Das mache ihm einfach Spaß und die Jugendlichen lernten viel bei ihm.Dominik Tartler (Grüne, FfK, Volt) verwies auf seine Arbeit als Jugendbeauftragter in den vergangenen sechs Jahren, bei der er für die junge Generation einiges leisten konnte. An den Themen junger Leute sei er aufgrund seines Alters noch ganz nah dran. Katharina Schrader (SPD) unterstrich ihre Erfahrung als Stadträtin und Kinder- und Familienbeauftragte – sowie als Mutter zweier Söhne „im besten Alter der Pubertät“, wie sie augenzwinkernd ergänzte. Christian Schoch (FW-ÜP) präsentierte sich schließlich als Familienvater, der seinen beiden Jungs eine gute Zukunft bereiten wolle und sich selbst als jemanden beschrieb, der gut zuhören und unterschiedliche Interessen „zu einem Konsens bringen“ könne.Stärken & SchwächenDie zweite kurze Frage zwang alle zur Selbstkritik: Was ist Ihre größte Schwäche? Die Antworten reichten von „manchmal zu leise“ (Schrader) über „perfektionistisch“ (Tartler) bis hin zu „nicht immer ganz pünktlich“ (Schoch), während Natterer-Babych einräumte, manchmal „ein bisschen zu schnell“ zu sein. Kiechle gestand, manchmal „ein bisschen zu viel Schokolade “ zu essen.Es folgte die Gegenfrage: Was ist Ihre größte Stärke? Kiechle hob hervor, er könne in einer „bunten, vielfältigen Gesellschaft“ Menschen zusammenführen und Kompromisse vorbereiten. Natterer-Babych sieht seine Stärke darin, Verantwortung zu übernehmen – etwa, wenn es darum gehe, eine Veranstaltung sicher zu organisieren. Tartler beschrieb sich als jemanden, der für eine Sache brenne und andere mitreißen könne. Schrader nannte die Fähigkeit, gemeinsam mit verschiedenen Menschen Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Schoch betonte seine analytische Stärke als Personalmanager: Er könne Bedürfnisse schnell erkennen.UmweltNoah bat um ein kurzes Statement zum Thema Umwelt. Kiechle sprach davon, dass man für das, was man geschenkt bekommen habe, verantwortlich sei. Klimaschutz dürfe nicht aus dem Fokus rücken, nur weil andere Themen lauter geworden seien. Gleichzeitig betonte er die Kosten: Klimapolitik müsse finanzierbar sein. Kempten sei stolz darauf, den innerstädtischen Busverkehr mit 27 Elektrobussen zu betreiben; man habe das Angebot um 50 Prozent ausgebaut – für rund eine Million Euro jährlich.Natterer-Babych rückte die Energiefrage in den Mittelpunkt. „Die Sonne schickt keine Rechnung“, sagte er. Gerade die Stadtverwaltung arbeite tagsüber, wenn die Sonne scheine, Photovoltaik auf städtischen Dächern sei deshalb eine „logische“ Antwort. Zugleich kritisierte er Müll und Vermüllung an Wertstoffinseln und in Wohngebieten und mahnte, den Individualverkehr zu reduzieren, den Parkdruck in den Stadtteilen zu mindern und Radwege so zu gestalten, dass man „ordentlich aus dem Stadtteil rauskommt“.Tartler beschrieb Umweltpolitik als gleichsam ökologische und wirtschaftliche Aufgabe. Investitionen in erneuerbare Energien und Effizienz könnten den städtischen Haushalt langfristig entlasten, argumentierte er. Zugleich will er Plätze wie den Hildegardplatz oder den St.-Mang-Platz mit Tempo 30, mehr Grün und weniger Autos aufwerten. Er forderte bessere Rahmenbedingungen für Bürger und Unternehmen, die den Wandel hin zur Klimaneutralität erleichtern sollen – etwa durch Freiflächen-PV und Unterstützung für Batteriespeicher.Schrader betonte Umwelt- und Klimaschutz als „Querschnittsthema“, das in allen Projekten mitgedacht werden müsse – vom Kita-Weg bis zur Stadtplanung. Im Kleinen fange es bei der Frage an, ob man Kinder zu Fuß oder mit dem Bus zur Schule begleite, anstatt sie mit dem Auto vor die Tür zu fahren. Im Großen gehe es um Solaranlagen, Freiflächen-PV, mehr Grün in der Stadt und ein besseres ÖPNV-Angebot.Schoch unterstützt viele der genannten Punkte, bremst aber bei Tempo 30 auf größeren Straßen. Ihm sei besonders wichtig, dass Maßnahmen Akzeptanz finden. Er warb für ein Schülerticket, das nicht nur „für eine Strecke und den Tageszeitraum“ gelte, sondern „sieben Tage, 24 Stunden“ – weil frühe, unkomplizierte Erfahrungen mit dem Busfahren das Umsteigen vom Auto wahrscheinlicher machten.BildungModerator Noah erinnerte daran, dass Bildung zwar Ländersache sei, die Stadt als Sachaufwandsträgerin aber für Gebäude, Ausstattung und viele Angebote zuständig ist. Wieder konnten sich alle Kandidaten positionieren:Schoch verwies auf seine Herkunft aus einem Lehrerhaushalt und die Erfahrungen seiner Frau als Lehrerin. Statt immer wieder zu hören, dass „diese Schule noch saniert werden muss und dort ein Anbau fehlt“, wünsche er sich einen transparenten Plan, wann welche Schule dran ist – damit Eltern, Schüler und Lehrkräfte sich darauf einstellen können.Schrader sagte, dass gute Bildungsangebote gute Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Lehrkräfte bräuchten. Kempten habe in den vergangenen Jahren viele Kita-Plätze geschaffen, dennoch gebe es Nachholbedarf – sowohl in der frühkindlichen Bildung als auch bei der Sanierung von Schulen. Sie nannte die Lindenberg- und die Nordschule, deren Sanierungen aus finanziellen Gründen immer wieder verschoben wurden.Tartler erinnerte daran, dass man neben den großen Leuchtturmprojekten auch „die kleinen Dinge“, die im Alltag der Schüler und Lehrer ganz viel ausmachen können, nicht vergessen dürfe. Da müsse man lernen, pragmatischer zu werden. So könnten etwa bei einer Schule, die weit unten auf der Prioritätenliste steht, zumindest mal ein-zwei Toiletten saniert werden. Außerdem will er die Schülermitverantwortung (SMV) stärken: Sie sei der Ort, an dem junge Menschen positive Erfahrungen mit Demokratie machen könnten.Natterer-Babych sprach mit Begeisterung über die sanierte Berufsschule, die mit moderner Technik ausgestattet wurde. Gleichzeitig stört ihn, dass die Stadt es nicht mal schaffe, an anderen Schulen die Fenster auszutauschen, damit es „einfach nicht zugig ist“.Kiechle zählte schließlich auf, was in den vergangenen Jahren bereits investiert wurde: zusätzliche Kita- und Krippenplätze, eine neue Grundschule, die Generalsanierung von Gymnasien und der Ausbau des Berufsschulzentrums gemeinsam mit dem Landkreis – insgesamt rund 150 Millionen Euro für die berufliche Bildung, wie er betonte. Bildung, Wohnraum und Arbeitsplätze seien die „wichtigsten Aufgaben“ einer wachsenden Stadt wie Kempten.Die emotionalste Szene des Abends spielte sich ab, als eine Jugendarbeiterin schilderte, wie sie vor zehn Jahren mit der ganzen Schulgemeinschaft der Lindenbergschule an einem Workshop zur Sanierung teilnahm und sie „erste Ideen gesponnen haben“. Seitdem sei man „vom Plan runtergefallen“. Während andere Schulen saniert wurden, sei im Kemptener Osten wenig passiert. Sie kritisierte, dass gefühlt gar keine Wertschätzung da sei. Es würden Gymnasien genannt und Grundschulen, „aber wo sind die Mittelschulen, wo ganz viele Kinder und Jugendliche leben?“WohnraumGegen Ende kam über den Instagram-Livestream eine Frage – vor allem an OB Kiechle –, die viele junge Menschen direkt betrifft: Wie steht die Stadt zum Thema Wohnraum für Studierende und Auszubildende? Es gebe kaum bezahlbare Angebote.Kiechle sagte, bezahlbare Wohnungen entstünden, wenn neu gebaut werde und dass die Stadt in diesen Bereich investiere. Problematisch seien besonders zwei Gruppen: Menschen, die sich auf dem freien Markt kaum eine Wohnung leisten können, und junge Menschen, die aus schwierigen familiären Situationen ausziehen müssten. Ein Ansatz sei das Projekt „Lebens(t)raum“, bei dem leerstehende Wohnungen erfolgreich vermittelt würden – auch an junge Menschen.Natterer-Babych verwies auf Angebote für Auszubildende, etwa von Kolping, der Handwerkskammer, der Molkereifachschule oder im landwirtschaftlichen Bereich. Auch Studentenwohnheime seien bereit, Azubis aufzunehmen, wenn es gut begründet sei. Gleichzeitig beobachte er, dass klassische WGs seltener würden – ein gesellschaftlicher Trend, den er bedauert. Er warb dafür, jungen Mietern mehr Vertrauen zu schenken.Tartler räumte ein, dass es für Studierende wohl mehr Unterstützung in diesem Bereich gebe als für Azubis. Er wünscht sich, dass die Kommunikation zwischen Wohnungsmarkt und Wohnungssuchenden noch ein bisschen besser funktioniere, etwa über spezielle Ansprechpartner in den Berufsschulen.Schrader sagte, dass dies ein drängendes Thema sei, insbesondere Azubi-Wohnheimplätze müssten dringend ausgebaut werden. Sie verwies auf ein Projekt der Sozialbau zusammen mit dem Klinikum. Auch mit anderen Wohnungsbaugesellschaften müsse man einfach Projekte anstoßen, es gebe dafür teilweise auch Fördergelder. Es sei wichtig, nicht nur an die Studierenden, sondern auch an die Auszubildenden zu denken.Schoch regte an, sich mit den Unternehmen, die ausbilden, intensiv auszutauschen, da diese Azubis suchten und das Thema Azubi-Wohnen sehr wichtig sei.Feste, Konzerte, Ausstellungen: Was man in Kempten und Umgebung unternehmen kann, lesen Sie im Veranstaltungskalender.Mit dem Kreisbote-Newsle