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Das grüne Jahrzehnt ist vorbei – und niemand hat es bemerkt
telepolis.de
Published about 6 hours ago

Das grüne Jahrzehnt ist vorbei – und niemand hat es bemerkt

telepolis.de · Feb 22, 2026 · Collected from GDELT

Summary

Published: 20260222T160000Z

Full Article

22. Februar 2026 Frank Adler Das grüne Jahrzehnt ist vorbei – und niemand hat es bemerkt Gesellschaftliche Strukturen transformieren – für ein gutes Leben in planetaren Grenzen Auf einer Seite lesen Klimaschutz galt als Megathema der 2010er. Doch seit Corona und Ukraine-Krieg verschwand er aus dem Fokus – mit fatalen Folgen. Noch vor wenigen Jahren erschien die Klimakrise in der Öffentlichkeit und Politik als das zentrale Thema. Jetzt ist sie weitgehend an den Rand gedrängt. Anderes steht im Vordergrund: forciertes Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit, Abbau von Sozialleistungen; Kriege, imperiale Machtpolitik und Alltagssorgen relativieren die düsteren Aussichten der fortschreitenden Erderwärmung. Rückschläge prägen die Klima- und Transformationspolitik. Indessen schrumpft das verfügbare Budget an Zeit und Ressourcen für progressive Auswege, während Kipppunkte des Klimasystems näher rücken (Rahmstorf 2023). Hinzu kommt die schleichende Tendenz einer demobilisierenden "Normalisierung" dieser Konstellation durch rasche Gewöhnung, Verdrängung und Resignation (Lessenich/Scheffer 2024). Vor diesem Hintergrund skizziere ich (1.) den Wandel im Umgang mit der Klimakrise, verweise (2.) auf unterschiedliche Reaktionen darauf und plädiere für eine Transformationsstrategie struktureller Reformen, die utopisch anmutet, aber wahrscheinlich realistischer ist, als "realistisch angepasste". 1. Die 2020er Jahre – eine (historische?) Zäsur Zunächst ein schlaglichtartiger Rückblick auf die 2010er Jahre. Im Unterschied zur Periode nach 1990 ("Ende der Geschichte" als "Sieg des Westens") verschiebt sich der Diskurs nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 f. zugunsten grün-links-(kapitalismus)kritisch-transformativer Themen, Positionen, Bewegungen, Politiken: • Wachstumsskeptische und grün-alternative Strömungen treten im wissenschaftlichen Diskurs, in der veröffentlichten Meinung und Zivilgesellschaft stärker hervor. "Große Transformation" avanciert zum Leitkonzept im WBGU-Bericht (2011); "ökologischer Umbau" wird populär in Forschung, links-liberaler Politik und Publizistik. • Nach den enttäuschenden Ergebnissen der Weltklimakonferenz 2009 formiert sich auch in Deutschland eine Klimabewegung und organisiert erfolgreich zivilgesellschaftlichen Widerstand gegen Kohleabbau und die unterirdische CO2-Verpressung (CCS). • Die Bundesregierung implementiert Strategien Ökologischer Modernisierung, vor allem in der Energiepolitik: forcierte Förderung von EE-Technologien, Beschluss zum Atomausstieg 2011. Die BRD gilt international als Vorreiter. 2016 wird die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung verabschiedet unter dem Motto "Leben in Würde für alle innerhalb planetarer Grenzen". Mit dem Beitritt zum Pariser Klimaabkommen von 2015 und dessen Verpflichtung, die Erderwärmung auf 1,5 bzw. maximal 2 Grad C zu begrenzen, wird Dekarbonisierung faktisch zu einem Staatsziel. Die UN-Vollversammlung beschließt 2015 17 nachhaltige Entwicklungsziele. Nach 2015/16 werden Gegentendenzen stärker. Der öffentliche Diskurs verschiebt sich in Richtung des rechtspopulistisch besetzten Themas "Migration". Auch die Zunahme geopolitischer Spannungen erhält nach der russischen Kriminvasion 2014 mehr Aufmerksamkeit. Politiken der Dekarbonisierung werden geschwächt (z. B. die Förderung der Solarindustrie) und die Lobby für das billige russische Erdgas setzt 2015 den Bau der Pipeline Nordstream 2 durch. Die US-Regierung Trump I verlässt das Pariser Klimaschutzabkommen und forciert fossile Industrien. Zugleich erstarkt mit dem Aufschwung von Fridays for Future die internationale Klimabewegung. Sie erreicht ihre Mobilisierungsspitze 2019 bis 2021 mit weltweit Millionen Demonstranten und beeinflusst staatliche Politik. Es entstehen Ansätze für gemeinsame Aktionen mit Gewerkschaften, z.B. mit ver.di für eine sozialökologische Verkehrswende. Das gesellschaftliche Klima begünstigt sozialökologische Transformationen wie etwa 2020 der Kohlekompromiss. 2021 startete die Ampelregierung mit weitreichenden Ambitionen einer ökologischen Modernisierung. Der BDI bekannte sich 2021 zu einem umfassenden Verständnis von Nachhaltigkeit. Das BVG-Urteil zu Rechten der jungen Generation (2021) verpflichtete die Bundesregierung zum Nachbessern ihrer Klimaziele. Manch zentralem Akteur schienen Nachhaltigkeitstransformationen hegemonial geworden zu sein, so rückblickend Dirk Messner, Präsident des UBA. Aber mit der Covid-19-Krise begann der Abschwung von Klimabewegung und Klimaschutzpolitik. Der Rückhalt in der Bevölkerung sinkt, die Widersprüche in der Ampelkoalition nehmen zu: FDP-Austerität und fossiler Klientelismus ("Technologieoffenheit") hemmen Investitionen in Dekarbonisierungen; Transformationskosten werden ungerecht verteilt. Aber auch Teile der konservativen Mittel- und Oberschicht distanzieren sich, sehen sich in ihrer Lebensweise durch mögliche transformative Konsequenzen bedrängt (Eversberg/Schmelzer 2025). Bauern protestieren gegen die Kürzung von Agrardieselsubventionen und Debatten um das GEG werden von AfD, CDU/CSU und der Boulevard-Presse erfolgreich anti-grün bewirtschaftet. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 hat sich die öffentliche Agenda weiter zuungunsten von Klima, Ökologie, sozialökologischer Transformation verschoben. Energiekrise und -preise, Inflation, das kriselnde deutsche Exportmodell rücken nach vorn. Ein antigrüner Rechtsruck verstetigt sich. Progressive Bewegungen und politische Akteure sehen sich mit vielen Fronten einer Polykrise konfrontiert. Im Koalitionsvertrag der CDU/CSU/SPD-Regierung und in ihrer Politik ist Klimaschutz eher marginal. Zwar bietet das Sondervermögen "Infrastruktur und Klimaneutralität" Spielräume für Investitionen in Dekarbonisierung. Inwiefern die 500 Mrd. Euro (für zwölf Jahre) tatsächlich dafür und nicht für Rüstungsprojekte ("ökonomisches Strohfeuer" – Flassbeck 2025) genutzt werden, ist umkämpft. Deutlich ist das Bestreben, Klimaziele zeitlich und substanziell zu verwässern zugunsten profitabler fossiler Technologien: "Aus" für das geplante Verbrenner-Aus in der EU 2035, forcierter Neubau von Gaskraftwerken, z.T. gekoppelt mit CCS, das ursprünglich, nur für technologisch kaum vermeidbares CO2 vorbehalten war. Klimaschädliche Subventionen wurden erhöht (z. B. die Pendlerpauschale, die Steuer auf Flug-Tickets gesenkt). Experten zweifeln zunehmend, dass die Klimaziele in Deutschland und der EU erreicht werden können (u. a. Aykut 2025). Massiver zivilgesellschaftlicher Widerstand ist kaum zu erwarten. Rechtspopulistisch getriggerte Feindbilder gegen alles "Grüne" haben sich in einigen Bevölkerungsgruppen verfestigt. Kurz: Wesentliche Bedingungen für eine progressive Bearbeitung der Klimakrise haben sich gegenüber den 2010er Jahren erheblich verschlechtert. Das betrifft Chancen für tiefgreifende sozialökologische Transformationen ebenso wie für bereits politisch fixierte technologische Dekarbonisierungen. Diese Tendenz gilt für die Bundesrepublik, die EU und ihren Green Deal, die USA unter Trump II sowie für einflussreiche internationale Organisationen. Wir erleben Rückschläge von unbestimmter Wirkungsdauer. Progressive Mobilisierungsansätze sind kaum in Sicht. Das führt in die paradox-gefährliche Situation eines doppelten Kipppunktes: Während das Kippen von Parametern des Erdsystems mit irreversiblen Folgen näher rückt, kippt das gesellschaftliche Klima gegen jene Kräfteverhältnisse, die für einen gesellschaftlichen Umbau pro Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit stehen. Ursachen für Rückschläge und Blockaden werden in unterschiedlichen Bereichen vermutet, etwa • im Gewicht ökonomischer Interessen, die mit fossilen Energieträgern (Beckert 2024) und davon abhängigen Branchen, Kapitalfraktionen, Beschäftigtengruppen sowie den damit generierten Profiten, Arbeitseinkommen, Steuereinnahmen verbunden sind; ganz zu schweigen von den potentiellen Profiten, die durch im Boden zu belassende Fossile "verloren" werden. • in Grenzen und Widersprüchen staatlicher Dekarbonisierungspolitik. In der verbindlichen Form nach Paris 2015 tangiert der Wandel der energetischen Basis staatliche Interessen und Funktionen weit stärker als vorherige Umweltpolitiken. Der "Dekarbonisierungsstaat" (Brand et al. 2025) hat für eine längere Umbauperiode geringere Steuereinnahmen aus profitablen, fossil abhängigen Industrien und steigende Ausgaben für die Abfederung des Strukturwandels. Damit geraten andere Staatsfunktionen finanziell unter Druck. Politik greift zudem direkter in Ökonomie und Alltag ein. Negativ empfundene Konsequenzen werden von Betroffenen nicht mehr dem anonymen Markt, sondern Regierungen zugeschrieben, was die Legitimität des Staates als "neutrale" liberal-kapitalistische Instanz untergräbt. Hinzukommen äußere Begrenzungen: Der Zugang zu den für Dekarbonisierung benötigten Rohstoffen wird durch weltweit wachsende Bedarfe und "öko-imperiale Spannungen" (Brand/Wissen 2024) teurer und unsicherer. Ihr Abbau im Globalen Norden (z. B. Lithium in Serbien) stößt auf Widerstand. Auf all das reagiert die Politik mit fossil-freundlichen "Korrekturen", einer "Wachstumsoffensive" und Sozialabbau. • im nachlassenden Rückhalt für die staatliche Transformationspolitik in der Bevölkerung. Bereits seit Beginn der 2020er Jahre kippte die allgemeine Zustimmung zu Klimaschutz und grünem Wandel in Teilen der Mittel- und Oberschicht in Richtung Besitzstandswahrung. Das war entscheidend für die "politische Trendwende" (Eversberg/Schmelzer 2025). Mit Debatten um Verbrenner-Aus, Heizungsgesetz, Tempolimit etc. rückte die Transformation näher als "Zumutung" an die eigene Lebensweise. Die politisch genährte Illusion, Klimapolitik sei allein technologisch – auch ohne Anpassungsleistungen der Wohlhabenden – zu bewältigen, wurde enttäuscht. Im ärmeren, prekären Bereich der Sozialstruktur stieß vor allem die sozial unausgewogene Förderpolitik der Ampel (Subventionen für E-Autos und Wärmepumpen für Hausbesitzer statt Klimageld für Familien,


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